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Krankheiten referenzindex «Akustisches Trauma (Knalltrauma)»

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Unter den Überbegriff des akustischen Traumas fallen das Explosionstrauma, das Knalltrauma und der akute Lärmschaden (Lärmtrauma). Unterschieden wird nach den Lärmquellen und ihren Auswirkungen auf das Gehör. Allen gemeinsam ist, dass eine kurzzeitige Lärm- und Druckbelastung das Hörorgan verletzt.

Durch den übermäßigen Schalldruck wird das Ohr überlastet. Bis zu einem bestimmten Grenzwert passt sich das Hörorgan an den physikalischen Stress an. Wird diese Schwelle überschritten, kommt es zu vorübergehenden oder bleibenden Hörschäden. Die Sinneszellen im Innenohr werden direkt geschädigt. In vielen Fällen sind nur gewisse Frequenzbereiche beeinträchtigt, zum Beispiel die hohen Töne (Hochtonverlust).

Explosionstrauma

Die schwerste, akustisch bedingte Verletzung ist das Explosionstrauma. Bei Sprengarbeiten, militärischen Explosionen, Platzen eines Airbags, aber auch durch eine Ohrfeige, trifft eine Schalldruckwelle mit einer Lautstärke von mehr als 150 Dezibel (dB) und einer Dauer von mehr als drei Millisekunden das Ohr. Der Schaden entsteht häufig beidseitig und bildet sich ohne Behandlung nur selten komplett zurück.

Die tiefen Frequenzen der Explosion verletzen vor allem das Mittelohr, die mittleren und hohen das Innenohr. Häufig zerreißt das Trommelfell, und es kommt zu einer andauernden Mittel- und Innenohrschwerhörigkeit (kombinierte Schwerhörigkeit), die im Verlauf gegebenenfalls weiter zunimmt.

Verletzungen sind auch an der Gehörknöchelchenkette im Mittelohr (Kettenluxation) und am Übergang vom Mittel- zum Innenohr (Fensterruptur) möglich. Ohrgeräusche (Tinnitus) und Schwindel können ebenfalls auftreten. Häufig klagen die Betroffenen über Ohrenschmerzen.

Knalltrauma

Das Knalltrauma entsteht ebenfalls bei extremen Lautstärken über 150 dB. Diese wirken aber kürzer ein (weniger als drei Millisekunden). Der Krach von Gewehrschüssen (auch Spielzeugpistolen!) oder Knallkörpern verletzt meist nur ein Ohr. Beschwerden sind eine Hörminderung mit Tinnitus. Die Auswirkungen auf das Gehör nehmen nach dem Unfall nur selten zu. In der Hälfte der Fälle bilden sich die Beschwerden innerhalb von zwei Tagen zurück. Trotzdem sollte jeder Betroffene sofort einen HNO-Arzt aufsuchen.

Etwa 50 Prozent tragen bleibende Schäden auf dem Ohr davon, das der Schallquelle zugewandt war. Die hohen Frequenzen des Knalls schädigen genau die Nervenzellen im Innenohr, die diese Tonhöhe normalerweise verarbeiten. Deshalb betrifft die Schwerhörigkeit in erster Linie den Hochtonbereich. Trommelfell und Mittelohr bleiben in der Regel unverletzt.

Akutes Lärmtrauma

Der akute Lärmschaden (akutes Lärmtrauma) entsteht bei Lärm über 100 dB, der über Minuten bis Stunden anhält. Beispiele sind laute Rockkonzerte, Rennsportveranstaltungen oder Diskothekenbesuche.

Wirkt der Lärm kurzzeitig bei ungünstiger Körperhaltung ein, spricht man von einem akustischen Unfall. Bei verdrehter Halswirbelsäule ist das Ohr weniger gut durchblutet und reagiert sensibler auf den Schall. Dies kann passieren, wenn man mit einem Steinbohrer oder Presslufthammer über Kopf arbeitet.

Der Schall wirkt deutlich länger auf das Gehör ein als beim Explosions- oder Knalltrauma. Es kommt meist zu einer beidseitigen Innenohrschwerhörigkeit hauptsächlich für hohe Töne (so genannte C5-Senke im Audiogramm). Sie kann sich spontan bessern, eine Verschlechterung ist aber leider auch möglich. Ohrenschmerzen und Gleichgewichtsstörungen sind selten, Tinnitus hingegen häufig.

Gemeinsamkeiten

Nach allen drei Formen des akustischen Trauma kommt es gemeinsam mit dem Hörverlust zu Ohrgeräuschen (Tinnitus). Ein Tinnitus kann ohne messbare Hörstörung vorhanden sein. Häufig bemerken die Betroffenen den Hörverlust nicht, sodass er erst bei den technischen Untersuchungen erkannt wird.

Diagnose

Die genaue Beschreibung der auslösenden Situation und des zeitlichen Verlaufs deutet schnell auf ein akustisches Trauma hin. Um die konkreten Auswirkungen auf beide Ohren zu überprüfen, untersucht der HNO-Arzt den Gehörgang und das Mittelohr mit dem Otoskop.

Dann folgen verschiedene Hörprüfungen. Die Audiometrie hilft, den Hörschaden zu quantifizieren. Ist im Rahmen des Traumas auch Schwindel aufgetreten, schließen sich Gleichgewichtsprüfungen an.

Sind die Zusammenhänge dann noch unklar, zeigen die otoakustischen Emissionen (TEOAE, DPOAE) und die akustisch evozierten Hirnstammpotentiale (AEP, BERA), wo genau der Schaden im Hörsystem liegt. Wegen der zusätzlichen Lärmbelastung für das Ohr sollten die Tests erst eine Woche nach dem Unfall durchgeführt werden. Mit der Aufzeichnung der otoakustischen Emissionen lässt sich schon frühzeitig abschätzen, ob der Tinnitus auch nach der Akutphase der Erkrankung bestehen bleibt.

Therapie

Vor allem beim Explosionstrauma sollte rasch eine Überdruckbehandlung in einer Druckkammer (hyperbare Sauerstofftherapie, HBO) erfolgen - vor allem wenn sich Schmauchspuren im Mittelohr finden. Erst danach werden mögliche Verletzungen im Mittelohr operativ versorgt.

Nur bei Verdacht auf einen Riss der runden Fenstermembran zwischen Mittel- und Innenohr (Fensterruptur, Perilymphfistel) ist frühzeitig eine Tympanoskopie erforderlich. Hier werden beide Fenster zum Innenohr abgedeckt.

Ansonsten werden die akustischen Traumata wie ein Hörsturz behandelt. Die Patienten erhalten Infusionsbehandlungen mit durchblutungsfördernden Mitteln und hochdosiertem Kortison über maximal zwei Wochen. Einzelne HNO-Zentren verabreichen hochwirksames Kortison auch direkt in das Innenohr.

Prognose

Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Aussichten auf Erfolg.

Nach einem Explosionstrauma erholt sich das Gehör in dem Großteil der Fälle, wenn man alle therapeutischen Möglichkeiten ausschöpft. Im Bezug auf den Tinnitus sind die Ergebnisse schlechter: Ein Teil der Betroffenen behält die Ohrgeräusche in unterschiedlicher Ausprägung - trotz Therapie.

Nach einem Knalltrauma ist die Prognose besser. Sind allerdings nach einigen Wochen noch Hörbeeinträchtigungen oder Ohrgeräusche vorhanden, ist es wahrscheinlich, dass sie auch langfristig bleiben.

Der Verlauf nach einem akuten Lärmschaden ist meist ungünstiger als nach einem Knalltrauma. Die beidseitige Hörminderung und der Tinnitus können sogar nach Wochen weiter zunehmen.

Auch nach einer erfolglosen Infusionsbehandlung kann man eine Überdruckbehandlung versuchen. Bis zu sechs Wochen nach dem Unfall bessern sich die Hörstörung und der Tinnitus bei den meisten. Je länger das auslösende Ereignis zurück liegt, desto geringer sind jedoch auch hier die Heilungschancen.


Kommentar «Akustisches Trauma (Knalltrauma)»