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Krankheiten referenzindex «Anaphylaktischer Schock»

Felix Abraham - Fotolia.com

Notfall!

Der anaphylaktische Schock ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion. Die Symptome können innerhalb kürzester Zeit auf den ganzen Körper (Haut, Atemwege, Herz-Kreislaufsystem, Verdauungstrakt) übergreifen und lebensbedrohlich werden. Die Anaphylaxie ist daher ein medizinischer Notfall und muss sofort ärztlich behandelt werden!

Mögliche Auslöser eines anaphylaktischen Schocks sind zum Beispiel Medikamente (wie Schmerzmittel, Antibiotika, Röntgenkontrastmittel), Insektengift (etwa von Bienen oder Wespen), Nahrungsmittel (wie Nüsse, Erdnüsse, Milch, Soja, Schalentiere) oder Naturlatex.

Dramatische Schockreaktion

Beim ersten Kontakt mit einem potenziellen Allergie-Auslöser (Allergen) bildet der Organismus spezifische Antikörper dagegen. Beim nächsten Kontakt kann das übersensible Immunsystem innerhalb von Minuten mit einer heftigen Schockreaktion reagieren: Die Blutgefäße in der Körperperipherie (Arme, Beine) weiten sich, und die Wand der Gefäße wird durchlässiger. Dadurch strömt Wasser aus den Gefäßen in die Zwischenräume zwischen einzelnen Zellen und Organen. Beides zusammen - Weitstellung der Gefäße und Flüssigkeitsausstrom - lässt den Blutdruck absacken.

Der Körper versucht gegenzusteuern: Botenstoffe aus der Gruppe der Katecholamine (wie Adrenalin) werden ausgeschüttet - sie sollen unter anderem durch Engstellung der Gefäße den Blutdruck wieder nach oben treiben. Verhindert wird dies fatalerweise durch andere Signalstoffe (Mediatoren), die beim Kontakt zwischen Antigen und Antikörper freigesetzt werden (darunter Histamin). Zudem beschleunigt sich der Herzschlag (Tachykardie) in dem Versuch, einen ausreichenden Blutfluss und damit die Sauerstoffversorgung aller Körperregionen in Gang zu halten.

Vier Schweregrade

Je nach Heftigkeit der anaphylaktischen Reaktion unterscheiden Mediziner vier Schweregrade:

SchweregradSymptome
ILeichte Allgemeinreaktionen (wie Schwindel, Kopfschmerzen) und Hautreaktionen (z.B. Juckreiz, Hautrötung mit Hitzegefühl, Nesselsucht). Keine akute Lebensbedrohung, doch der weitere Verlauf muss sorgfältig überwacht werden.
IIZusätzlich: Blutdruckabfall, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Symptome im Magen-Darm-Bereich (wie Übelkeit, Erbrechen), leichte Atemnot.
IIIZusätzlich: Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur (Brochospasmus) und Schock, selten auch Kehlkopfschwellung mit Luftnot.
IVAtem- und Herz-Kreislauf-Stillstand

Notfallmaßnahmen

Wenn jemand einen allergischen Schock erleidet, sollten Umstehende sofort handeln:

  • Bestehen keine Atemprobleme, sollte der Patient in die Schocklage gebracht werden: Er liegt dabei flach am Boden, die Beine sind höher gelagert. So kann das Blut nicht in den Beinen "versacken", sondern steht für die Versorgung der lebenswichtigen Organe Gehirn und Herz zur Verfügung.
  • Falls der Patient Atemprobleme hat, muss der Oberkörper hoch gelagert werden (fast aufrecht).
  • Alarmieren Sie den Notarzt!
  • Beruhigen Sie den Patienten.
  • Falls noch eine Allergenzufuhr besteht (z.B. Infusion eines Medikaments), muss diese schnellstens unterbunden werden.
  • Überwachen Sie Puls, Blutdruck und Atmung des Allergikers.
  • Bei Atemstillstand wird eine Atemspende notwendig, bei Herz-Kreislauf-Stillstand muss wiederbelebt (reanimiert) werden.

Manche Allergiker führen ein Notfallset mit Medikamenten mit sich, die bei einem allergischen Schock so schnell wie möglich gegeben werden müssen.

Notfallset

Ein Notfallset empfiehlt sich für Allergie-Patienten, deren Immunsystem auf Insektengift oder Lebensmittel mit einer Anaphylaxie reagiert. Es beinhaltet je nach auftretenden Symptomen drei bis vier Medikamente:

  • Adrenalin zur Injektion
  • Bei akuter Atemnot: ein Beta-Sympathomimetikum in Sprayform, das die Bronchien erweitert
  • Ein Antihistaminikum, das die allergische Reaktion bekämpft
  • Bei Spätreaktionen: Kortison zur Vorbeugung

Wie die Medikamente im Notfall einzusetzen sind, erfahren die Allergiker von ihrem Arzt. Auf alle Fälle gilt: Die Anwendung des Notfallsets ersetzt keinen Arztbesuch beziehungsweise die Alarmierung des Notarztes!

Vorbeugung

Insektengift-Allergiker können mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) oftmals erreichen, dass ihr Immunsystem das Gift von Biene, Wespen und Co. künftig besser toleriert. Das senkt die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks. Für Menschen, die auf Lebensmittel, Medikamente oder Naturlatex allergisch reagieren, besteht diese Therapiemöglichkeit leider nicht. Ihnen bleibt nur die strikte Meidung des Allergie-Auslösers.


Kommentar «Anaphylaktischer Schock»