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Krankheiten referenzindex «Anthrax (Milzbrand)»

Anthrax (Milzbrand)Anthrax (Milzbrand)Anthrax (Milzbrand)

Milzbrand ist eine Infektionskrankheit, die durch Bacillus anthracis verursacht wird, und meist Paarhufer befällt. Sie wird auch Anthrax genannt. Ihre Erreger wurden 1849 durch Aloys Pollender entdeckt. Der Erreger von Milzbrand ist ein sauerstoffverbrauchendes und sporenbildendes Stäbchen. Die Sporen können unter günstigen Umständen Jahrhunderte überleben.

Menschen können auch befallen werden, wenn sie hohen Dosen von Milzbrandsporen ausgesetzt sind. Die Übertragung von Mensch zu Mensch findet bei entsprechenden Vorsichtsmassnahmen jedoch nicht statt.

Verbreitung

Milzbrand kommt in allen Ländern und in allen Erdteilen vor, allerdings in stark variierender Häufigkeit. Er findet sich bevorzugt auf feuchten, sumpfigen Böden und in Überschwemmungsgebieten von Fluss- und Bachläufen, in denen die Sporen durch das Wasser verschleppt und ausgebreitet werden können. Selbst aus tief vergrabenen Kadavern können durch steigendes Grundwasser noch nach Jahrzehnten immer wieder Sporen an die Oberfläche gelangen. Wenn im Zuge von Baumassnahmen die Areale ehemaliger Abdeckereien und Wasenmeistereien angeschnitten werden, die vor Jahrzehnten noch weit ausserhalb der Siedlungsperipherie lagen, können Sporen wieder nach oben befördert werden.

Die Mehrzahl der Milzbrandfälle wurde in Gebieten mit Grünland- und Weidewirtschaft festgestellt. Jahreszeitlich zeichnet sich ein Höhepunkt im Frühjahr ab, während der statistische Tiefpunkt im Sommer (Juni) liegt. Auch in Jahren mit extrem hohen Niederschlagsmengen muss mit vermehrten Krankheitsfällen gerechnet werden. Als Krankheit und bösartige Seuche ist der Milzbrand schon seit dem Altertum bekannt. Sowohl in der Bibel als auch bei Griechen (Homer) und Römern (Ovid) wird davon berichtet. Die alten arabischen Ärzte bezeichneten den Milzbrand beim Menschen als „persisches Feuer”.

Auch als Wildkrankheit ist der Milzbrand seit langem bekannt. Schon aus dem 9. Jahrhundert wird über regelrechte Seuchenzüge berichtet. Nachdem infolge der fortschreitenden Erkenntnisse der Mikrobiologie die Seuche in den Haustierbeständen zurückgedrängt werden konnte, wurde sie auch beim Wild in den letzten Jahrzehnten nur noch vereinzelt festgestellt. Im Hinblick auf das Vorkommen bei verschiedenen Wildarten spielt deren unterschiedlich stark ausgeprägte Empfänglichkeit eine Rolle.

Unterscheidung

Es gibt drei Arten von Milzbrand:

  • Hautmilzbrand: Übertragung durch kleine Hautverletzungen
Hautmilzbrand ist die harmloseste Form des Milzbrandes. Er wird nur durch direkten Hautkontakt übertragen, unbehandelt enden 5 bis 20 % der Fälle tödlich. Wenn es zu einer Infektion kommt, bildet sich an der Stelle der Übertragung ein bläschengesäumtes Ulkus mit einer schwarzen Nekrose in der Mitte, daraus entwickelt sich ein eitergefülltes Bläschen. Bei einer weiteren Ausdehnung der Krankheit treten neue Bläschen auf. Wenn diese Bläschen sich verbinden, entsteht ein Milzbrandkarbunkel, welches, wenn es Anschluss an ein Blutgefäss bekommt, zu einer Blutvergiftung führen kann. Hautmilzbrand wird mit systemischem Penicillin G behandelt.
  • Lungenmilzbrand: Inhalation von Milzbrandsporen in der Atemluft
Mit der Atemluft werden Milzbrandsporen inhaliert, die an Tierhäuten oder Tierhaaren haften und noch nach Jahren ansteckend sind. Die Krankheit beginnt mit Husten, es folgen hohes Fieber, Schüttelfrost und Atemnot. Das ausgehustete Sekret ist hochinfektiös, und der Tod tritt meistens innerhalb von drei bis sechs Tagen unter dem Bild eines septischen Schocks ein.
  • Darmmilzbrand/ gastrointestinaler Milzbrand: Verzehr von infizierten Lebensmitteln
Durch den Genuss von infizierter Milch oder infiziertem Fleisch wird Darmmilzbrand übertragen. Es treten blutiges Erbrechen und blutiger Durchfall auf, welche Zeichen einer blutigen Darmentzündung sind. Die Keime verbreiten sich über den ganzen Körper, es kann zu einer Blutvergiftung und einem Herz- und Nierenversagen kommen. Über 50 % der Erkrankten sterben. Dies ist die seltenste Form von Milzbrand. Darmmilzbrand wird mit Breitbandantibiotika wie Ciprofloxacin behandelt. Auch kann ein oropharyngealer Milzbrand nach oraler Aufnahme von Milzsporen entstehen (Ödeme und Nekrosen im Halsbereich).

Biologische Waffen

Die Meinungen von Experten, inwieweit Milzbrandbakterien für die biologische Kriegsführung geeignet sind, gehen auseinander – basierend auf Versuchen mit Primaten schätzen Forscher die LD50 auf 2.500–55.000 inhalierte Sporen.[1]

Die Sporen sind gegen äussere Einflüsse unempfindlich und deshalb zum Beispiel deutlich geeigneter als das Pestbakterium Yersinia pestis.

Waffen-Anthrax wird speziell so gezüchtet, gegen Impfstoffe resistent zu sein. Deutschland hat keine Impfstoffe gegen Milzbrand, auch ein Notimport aus dem Ausland wäre unnötig, da es strenge Kontrollvorschriften gibt, die Wochen dauern würden. Bis dahin wäre der Patient schon tot. Die Mittel, mit denen amerikanische Soldaten behandelt werden, sind noch unausgereift und haben viele Nebenwirkungen. Ausserdem immunisieren die Impfstoffe nur gegen normalen Milzbrand. Neue Stämme, diefür den militärischen Gebrauch vom amerikanischen Militär gezüchtet wurden, sind gegen gängige Impfstoffe resistent. Theoretisch könnte man im Fall eines bioterroristischen Anschlags den Gefährdeten präventiv Ciprofloxacin über 8 Wochen verabreichen.

Historisches

Schon im Mittelalter haben sich die Völker mit Milzbrand bekämpft. Sie warfen verseuchte Tierkadaver über die Burgmauern und warteten, bis die Bevölkerung gestorben war. Die Milzbranderreger wurden jedoch erst 1849 in Schafsblut entdeckt. Robert Koch untersuchte die Erreger 1877 und beschrieb sie genau.

Erster Weltkrieg

Schon im Ersten Weltkrieg wurde von deutschen Wissenschaftlern mit Milzbrand experimentiert, sie verseuchten Tiere im Balkan. Das Programm wurde jedoch wegen geringen Erfolges wieder eingestellt.

Mandschurei-Krise

Die Kaiserlichen Streitkräfte Japans setzten Anthrax 1932in der Mandschurei ein. Bei einem „Forschungsprojekt” der Einheit 731 wurden circa 3000 Kriegsgefangene als „Versuchsobjekte” missbraucht. Auch andere Kampfstoffe wurden getestet.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg entwickelte Frankreich einen Milzbranderreger, dieser wurde beim Einmarsch der deutschen Truppen entdeckt und deutsche Wissenschaftler experimentierten mit dem Erreger, obwohl Hitler es ausdrücklich verbot. Angeblich sollen die USA während des Zweiten Weltkrieges an Milzbrandbomben gearbeitet haben. 1942 hat Grossbritannien auf der Insel Guida beziehungsweise Gruinard Island Milzbranderreger ausprobiert, die Insel war fast fünfzig Jahre lang Sperrgebiet. Obwohl sie in den 1980er Jahren mit 200 Tonnen Formaldehyd entseucht wurde, gibt es noch Kritik an der Gründlichkeit der Entseuchung.

1970er-Jahre

Auch die ehemalige Sowjetunion experimentierte mit Milzbrand. Im April 1979 infizierten sichbei einem Betriebsunfall in einer mikrobiologischen Militäreinrichtung (B-Waffen-Forschungsstätte) nahe Swerdlowsk 79 Menschen mit Milzbrand, 68 davon starben. Zahlreiche Tiere in der Umgebung starben. Die Infizierten befanden sich zu dem Zeitpunkt in der Windrichtung, als vermutlich nur circa ein Gramm des Milzbrand-Erregers freigesetzt wurde. Erst als 1992 unter Boris Jelzin der Betriebsunfall publik wurde, wussten die Familien der Verstorbenen, wodurch ihre Familienmitglieder zu Tode gekommen waren. Die Zeitschrift Science publizierte 1994 die Ergebnisse der amerikanisch-russischen Untersuchungskommission[2] – es ist die bislang gründlichste Dokumentation einer B-Waffen-Wirkung.

Im Aral-See ist die ganze Wosroschdenije-Insel verseucht. Sie war ein geheimes Versuchsgebiet der Russen; angeblich sollen dort noch 1988 Milzbranderreger ausgesetzt worden sein. Bedenklich ist, dass der Wasserspiegel sinkt und die Insel somit den Ufern des Festlandes immer näher kommt. In einigen Jahren werden dort Tiere durch das Wasser laufen und den Milzbrand in die angrenzenden Länder wie Kasachstan und Usbekistan tragen können.

1972 unterschrieben 143 Staaten das Biowaffenabkommen, das die Entwicklung, Herstellung und Lagerung biologischer Waffen untersagt.

1990er-Jahre

1995 wurde der Betriebsunfall in der mikrobiologischen Militäreinrichtung in der ehemaligen Sowjetunion entdeckt und auch, dass der Irak grosse Mengen Milzbrand-Erreger zum Einfüllen in Sprengköpfe und Bomben lagerte. Daraufhin begann man mit Verhandlungen über ein Zusatzprotokoll, die nach sechs Jahren endeten. Dieses Protokoll lässt immer noch viele Lücken offen, und da Inspektionen in Fabriken lange im Voraus angekündigt werden müssen, können Spuren beseitigt werden. Die USA stiegen aus dem Zusatzprotokoll aus mit der Begründung, es gehe nicht weit genug. Bekannt ist aber, dass die USA Bio-Waffen erforschen, auch derImpfstoff gegen Milzbrand gehört zu diesem Programm.

Die vermutete Herstellung und Lagerung unter anderen von Biowaffen als Massenvernichtungswaffen im Irak-Konflikt diente den USA nach einem Tauziehen über Waffeninspektionen im Jahre 2003 als wesentliche Legitimation, den Irak-Krieg zu beginnen. Es stellte sich später heraus, dass diese Vermutungen oder vermeintlichen Beweise jeder Grundlage entbehrten.

2000er-Jahre

Im Juli 2001 waren in Kanada im Bundesstaat Alberta Hunderte von Bisons bedroht. 19 Tiere starben an den Folgen des Erregers.

Am 12. Juli 2001 traten in Südkorea im Landkreis Changyong in der Provinz Südkyongsang fünf Milzbrandfälle unter Menschen auf, eine Person starb. Alle hatten Fleisch von einem Rind verzehrt, das in einem Sumpfgebiet tot aufgefunden worden war.

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wurden in den USA Briefe mit Milzbranderregern an Regierungsstellen und hohe Politiker verschickt. Fünf Menschen starben. Ein Zusammenhang mit den Terroristen vom 11. September wird nicht vermutet. Stattdessen wird inländisches Laborpersonal verantwortlich gemacht, da die verschickten Milzbranderreger den eigens herangezüchteten Stämmen aus dem Labor für Biokampfstoffe in Fort Detrick entsprachen. Weitergehende öffentliche Untersuchungsergebnisse hierzu wurden bisher nicht bekannt.

Im Zusammenhang mit den Milzbrand-Briefen in den USA wurde am 18. Oktober 2001 auch in Kenia Sporen des Milzbrand-Erregers in einem Brief an einen Privatmann nachgewiesen.

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Letzte Aktualisierung: 14. November 2006


Kommentar «Anthrax (Milzbrand)»