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Krankheiten referenzindex «Brandwunde»

BrandwundeBrandwundeBrandwunde

Streichhölzer, Kerzen, Feuerzeug oder Lagerfeuer - an jeder Flamme kann man sich die Finger oder andere Körperteile verbrennen. Die meisten Brandwunden im Haushalt entstehen jedoch ganz ohne Feuer: Sie fassen an ein heißes Backblech, sind beim Bügeln einen Moment unachtsam oder verbrühen sich am Wasserdampf über einem Topf kochender Spaghetti. Auch Kinder verletzen sich oft an kochenden Flüssigkeiten, Wasserdampf oder heißen Herdplatten.

In der Silvesternacht müssen Ärzte regelmäßig schwere Brandwunden von Menschen versorgen, die mit Feuerwerkskörpern experimentiert haben.

Auch im Sommer haben Verbrennungen Hochsaison. Die einen verletzen sich, weil sie Grillanzünder ins offene Feuer gießen, andere holen sich beim Sonnenbaden einen Sonnenbrand. Denn auch Strahlen können die Haut verbrennen - sogar die Strahlen eines Solariums.

Zerstörte Hautzellen

Starke Hitze, offene Flammen, heiße Flüssigkeiten, elektrischer Strom oder ionisierende Strahlen können die Haut verbrennen. Dabei sterben nicht nur Hautzellen ab. Der geschädigte Körperteil setzt außerdem Botenstoffe frei, die bei schweren Verbrennungen zu einer Entzündungsreaktion im ganzen Körper führen können.

Brandwunden heilen meistens sehr schlecht, da viele Hautzellen bei der Verbrennung zerstört werden. Die Schäden können nur die oberflächliche Hautschicht betreffen oder sehr tief sein. Das beeinflusst den Schweregrad der Verbrennung. Dieser hängt außerdem noch von weiteren Faktoren ab: Unter anderem von der Größe der verbrannten Hautfläche, dem Alter des Verletzten, eventuell bestehenden anderen Erkrankungen sowie  der Frage, ob der Verletzte Rauch oder giftige Gase eingeatmet hat. Letzteres ist oft noch gefährlicher als die Brandwunde selbst.

Verbrennungsgrade

Um die Tiefe einer Verbrennung zu klassifizieren, unterscheiden Mediziner drei verschiedene Verbrennungsgrade:

Verbrennung I. Grades: Nur die oberste Hautschicht (Epidermis) ist verbrannt. Die Haut ist gerötet, trocken, geschwollen und tut weh. Die Wunde heilt meist innerhalb einiger Tage von selbst, ohne eine Narbe zu hinterlassen.

Verbrennung II. Grades: Epidermis und Lederhaut (Dermis, Korium) sind durch die Verbrennung beschädigt. Sind nur die obersten Schichten der Lederhaut betroffen (IIa), ist Wunde rot und es haben sich Blasen gebildet. Die Wunde nässt und die Blasen füllen sich mit Flüssigkeit. Sind tiefere Schichten der Lederhaut verbrannt (IIb), ist die Haut eher trocken und es bilden sich nur wenige Blasen. Drückt man leicht auf die verbrannte Haut, fühlt sie sich hart an. Eine Verbrennung vom Grad IIa heilt meist ohne oder mit einer wenig auffälligen Narbe ab. Beim Grad IIb bleibt meist eine deutliche Narbe zurück.

Verbrennung III. Grades: Die gesamte Haut mitsamt Haaren ist verbrannt. Das unter der Haut liegende Fettgewebe liegt frei. Zusätzlich können darunter liegende Strukturen verletzt sein wie Muskeln, Sehnen, Nerven, Blutgefäße oder Knochen. Die Haut sieht entweder weißlich, rötlich, braun oder tiefschwarz aus. Die Wunde ist trocken, bildet keine Blasen und ist sehr hart.

Patienten mit einer Verbrennung vom Grad I und IIa haben oft sehr starke Schmerzen. Bei einer Verbrennung vom Grad IIb und III sind die Nervenenden in der Haut, die Schmerzreize weiterleiten, so sehr beschädigt, dass die Verletzten meist wenig oder kaum Schmerzen spüren.

Größe der Verbrennung: Neunerregel

Je mehr Körperoberfläche verbrannt ist, desto größer ist das Risiko, dass der Verbrannte einen Schock bekommt. Um die verbrannte Hautfläche abzuschätzen, kann man sich an der so genannten „Neunerregel“ orientieren, die den Körper eines Erwachsenen in Regionen aufteilt. Jede Region entspricht - ein Mal oder mehrmals - neun Prozent der Körperoberfläche:

  • Kopf und Hals: neun Prozent;
  • Arme: jeweils neun Prozent;
  • Rumpf: zusammen 36 Prozent, Vorder- und Rückseite je 18 Prozent;
  • Beine: jeweils neun Prozent;
  • Um auf 100 Prozent zu kommen, zählt die Genitalregion ein Prozent der Körperoberfläche.

Bei Kindern gelten andere Werte! Je jünger ein Kind ist, desto größer ist der Anteil des Kopfes (beim Einjährigen 18 Prozent) und desto geringer der Anteil der Beine (je 14 Prozent).

Kaltes Wasser und steril abdecken

Brandwunden sollten Sie bis zu fünf Minuten unter fließend kaltes Wasser (18 bis 21°C) halten. So lindern Sie die Schmerzen und vermeiden, dass die Wunde „nachbrennt“ - also Wärme aus bereits verbranntem Gewebe in tiefere Hautschichten abgegeben wird. Offene Brandwunden sollten Sie mit sterilen Wundauflagen abdecken.

Einen Menschen mit großflächigen Verbrennungen sollten Sie möglichst sofort aus der Gefahrenzone bringen. Haben die Kleider des Verletzten Feuer gefangen, wälzen Sie ihn auf dem Boden hin und her, bis das Feuer erstickt ist. Alternativ können Sie die Flammen mit einer Wolldecke oder einem Feuerlöscher löschen. Rufen Sie so schnell wie möglich den Notarzt (Notrufnummer vom Handy oder Festnetz 112). Hat sich jemand großflächig verbrannt, besprengen oder begießen Sie ihn etwa 15 Minuten lang mit kaltem Wasser. Tauchen Sie den Verletzten jedoch nicht komplett in kaltes Wasser. Er könnte zu stark auskühlen oder einen Schock bekommen. Kleidung, die nicht an der Wunde haftet, sollten Sie entfernen.

Bei großflächigen Verbrennungen kann der Verbrannte das Bewusstsein verlieren. Überprüfen Sie deshalb regelmäßig, ob der Verletzte auf Ansprache reagiert. Wenn er das Bewusstsein verliert, aber noch atmet und einen tastbaren Puls hat, sollten Sie ihn in die stabile Seitenlage bringen.

Wann zum Arzt?

Brandwunden infizieren und entzünden sich leicht. Behandeln Sie deshalb nur kleine, oberflächliche Verbrennungen oder Verbrühungen selbst. Halten Sie die betroffene Hautstelle etwa fünf Minuten lang unter fließendes kaltes Wasser. Verbrennungen I. Grades können Sie mit einer Salbe (z.B. Panthenolsalbe) behandeln. Eine offene Wunde können Sie mit einem milden Desinfektionsmittel ausspülen und mit einem Pflaster abdecken.

Brandwunden heilen schneller und es bleiben weniger Narben zurück, wenn der Wundgrund feucht gehalten wird. Geeingnet sind Gelverbände oder spezielle Wundauflagen, welche die feuchte Wundheilung unterstützen.

Größere Brandwunden sollten Sie besser einem Arzt zeigen. Haben sich Babys oder Kleinkinder verbrannt oder verbrüht, geht man am besten mit jeder Brandwunde zum Kinderarzt. Bei Kindern sind Brandwunden besonders gefährlich.

Schwere Verbrennungen

Schwere Verbrennungen werden am besten in einer in einer spezialisierten Verbrennungsklinik behandelt. Da Brandwunden sehr schmerzhaft sind, müssen sie nicht selten unter Narkose gereinigt werden. Für Brandverletzungen gibt es spezielle Wundauflagen (Salben- und Silikongitter), die verhindern, dass der Verband auf der Wunde haftet.

Verbrennt die Haut bis in tiefe Schichten, kann das Gewebe hart werden und anschwellen. Manchmal müssen Mediziner die Verbrennung unter Vollnarkose aufschneiden. Der Defekt kann vorübergehend mit Kunsthaut abgedeckt werden. Später wird Haut von einer anderen Körperstelle entnommen (z.B. vom Oberschenkel) und auf die Brandwunde verpflanzt. Mediziner sprechen von Vollhaut- oder Spalthauttransplantation.

Zur Behandlung sehr augedehnter Verbrennungen gibt es eine neue Methode: Es werden körpereigene Zellen verpflanzt, welche die oberste Hautschicht bilden (Keratinozyten). Dies wird aber bislang nur in einigen Verbrennungskliniken durchgeführt. Die Keratinozyten lassen sich auch künstlich im Reagenzglas züchten. Diese Zellen sind jedoch sehr anfällig für Infektionen.

Tetanusschutz überprüfen!

Bei jeder Verletzung können Keime in die Blutbahn gelangen. Besonders gefährlich sind Tetanusbakterien, die Erreger des Wundstarrkrampfes (Tetanus). Sie produzieren ein Gift, das zu Muskelkrämpfen am ganzen Körper führt. Wundstarrkrampf endet in 10 bis 20 Prozent der Fälle tödlich.

Die Tetanusimpfung schützt vor der gefährlichen Erkrankung. Die Impfung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Ist bei einer Verletzung nicht ganz klar, wie lang die letzte Auffrischimpfung zurückliegt, empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut eine Tetanusimpfung direkt nach der Verletzung.

Felicitias Witte ist Ärztin und Freie Journalistin, sie lebt in Basel.


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