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Krankheiten referenzindex «Brüche und ihre Behandlung»

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Was ist ein Knochenbruch?

Zu einem Knochenbruch kommt es, wenn die Knochen zu stark belastet werden, etwa durch einen Unfall. Insgesamt besteht das menschliche Skelett aus 206 verschiedenen Knochen. An manchen Stellen, zum Beispiel am Oberarm, gibt es "Sollbruch-Stellen", an denen die Knochen bei Unfällen besonders häufig brechen.

Je nach Alter des Menschen kommt es unterschiedlich häufig zu Knochenbrüchen. Dies liegt an der je nach Alter unterschiedlichen Zusammensetzung des Knochens. Generell besteht der Knochen aus einem mineralischen, einem elastischen und einem bindegewebigen Anteil. Außerdem durchziehen Blutgefäße den Knochen. In der empfindlichen Knochenhaut, welche den Knochen umgibt, befinden sich zudem auch Nervenfasern. Die Knochen weisen je nach Lebensalter folgende Charakteristika auf:

  • Bei Kindern überwiegen elastische Anteile. Die Knochen "verbiegen" sich deshalb eher (Grünholzbruch), als dass sie splittern.
  • Bei Erwachsenen ist das Verhältnis zwischen mineralischen, elastischen und bindegewebigen Anteilen ausgewogen.
  • Bei älteren Menschen nehmen die elastischen und bindegewebigen Anteile ab, der Knochen wird spröde und splittert leicht. Außerdem kommt es infolge eines veränderten Hormonhaushalts auch zu einer zunehmenden Entkalkung der Knochen.

Aus diesem Grund hat beispielsweise ein 70-Jähriger ein dreimal höheres Risiko für einen Knochenbruch als ein 20-Jähriger.

Auch krankhafte Veränderungen können das Risiko für einen Knochenbruch erhöhen. Bei einer Knochenentkalkung (Osteoporose) hat der Knochen einen geringeren mineralischen Anteil, was ihn schwächt. Schon kleinere Verletzungen können so zu Knochenbrüchen führen.

Brüche lassen sich nach folgenden Kriterien unterscheiden:

  • Begleitende Weichteilverletzungen (offener oder geschlossener Bruch)
  • Lokalisation (Schaft oder gelenknaher Anteil)
  • Zahl der Bruchstücke
  • Ausmaß der Fehlstellung
  • Verletzungsmechanismus

Wie wird ein Knochenbruch diagnostiziert?

Die klassische Methode, um einen Knochenbruch festzustellen, ist eine Röntgenuntersuchung. Die Röntgenaufnahmen bilden nur die Knochen, nicht aber die Sehnen, Muskeln und Bänder ab. Bei fast jedem Bruch lassen sich auf den Bildern Stellung und Anzahl der Bruchstücke erkennen. Röntgenaufnahmen zeigen außerdem, ob ein Gelenk betroffen ist oder die Bruchenden gegeneinander verschoben sind. Unverschobene Brüche (ähnlich einem "Sprung im Teller”) sind manchmal über das Röntgenbild nicht diagnostizierbar.

Bei komplizierten Brüchen kann zudem eine Computertomografie zum Einsatz kommen, bei Brüchen mit Beteiligung der Weichteile auch eine Magnetresonanztomografie (MRT).

Wie wird ein Knochenbruch behandelt?

Es gibt drei Prinzipien, wie man Knochenbrüche behandeln kann:

  • Einrichtung (Reposition)
  • Ruhigstellung (Immobilisation)
  • Druck auf die Bruchstelle (Kompression)

Dass man zur Behandlung eines Bruchs Druck auf die Bruchstelle ausüben muss, ist eine Erkenntnis aus den 70er-Jahren. Viele Fehlergebnisse früherer Bruchbehandlungen ließen sich damit erklären. In der Folge gründete sich eine deutsch-schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO), die Behandlungsrichtlinien sowie ein einheitliches, universell verwendbares Instrumentarium herausgibt.

Muss jeder Bruch operiert werden?

Viele Knochenbrüche müssen nicht operiert werden. Insbesondere unverschobene Brüche oder solche, die nach dem Einrichten stabil sind, also keine Tendenz zur erneuten Verschiebung (Dislokation) zeigen, werden ohne Operation (konservativ) behandelt. Der Bruch wird dann in einem Gipsverband ruhig gestellt.

Um einen Knochenbruch zu behandeln, bevorzugen viele Mediziner mittlerweile Kunststoffverbände gegenüber dem klassischen Gipsverband. Sie sind leichter, haben aber sonst keine prinzipiellen Vorteile. Verbände aus Kunststoff sind teurer und erfordern eine ausgefeiltere Technik und größere Erfahrung beim Anlegen. Für viele Bruchtypen gibt es heute vorgefertigte Schienen.

Frische Knochenbrüche werden nie in einem geschlossenen (zirkulären) Gipsverband ruhig gestellt, da sich eine Schwellung nicht ausdehnen kann. Die Folge wären erhebliche Durchblutungsstörungen.

Wann werden Brüche operiert?

Meist müssen Knochenbrüche aus folgenden Gründen operiert werden:

  • Wenn sie sich mit oder ohne Einrichtung leicht wieder verschieben: Hier kann eine definitive Versorgung erfolgen.
  • Wenn sie nur langsam heilen: Eine längere Gipsbehandlung lässt sich mittels OP vermeiden, und man kann frühzeitig mit einer krankengymnastischen Übungsbehandlung beginnen.
  • Offene Brüche: Hier muss der Weichteilmantel (Muskeln, Bindegewebe, Gefäße) wiederhergestellt werden.

Bei der Operation eines Knochenbruchs kommen Platten und Schrauben in verschiedenen, dem jeweiligen Knochen angepassten Stärken zum Einsatz. Bestimmte Knochenbrüche werden mit einzelnen Schrauben, Marknägeln, Bohrdrähten und Spezial-Implantaten behandelt.

Nach der Operation sind Knochenbrüche unterschiedliche belastbar:

  • Lagerungsstabil heißt: Bewegung ohne Unterstützung ist nicht erlaubt.
  • Übungsstabil bedeutet: Nur geführte Bewegungen und eventuell eine Teilbelastung sind erlaubt.
  • Belastungsstabil heißt: Sie dürfen alle Bewegungen unter Vollbelastung durchführen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die meisten Knochenbrüche heilen gut und ohne Komplikationen. In seltenen Fällen "rutscht" ein Bruch im Gips ab. Möglicherweise muss er erneut eingerichtet beziehungsweise operiert werden.

Gelegentlich heilt der Knochenbruch nicht, und es bildet sich ein Falsch-Gelenk (Pseudarthrose). Verursacht die Pseudarthrose Beschwerden, ist eine Operation erforderlich. Gefürchtet, aber sehr selten, ist eine Infektion des Knochens (Knochenentzündung). Sie tritt besonders nach offenen Brüchen auf. Dann ist eine aufwändige Behandlung mit wiederholten Spülungen notwendig.

Knochenbruch-Patienten, die einen Gips tragen, bekommen manchmal Durchblutungsstörungen durch Druckstellen. Neben Hautschäden kommen sehr selten auch Nervenschäden vor. Das Thromboserisiko ist am Bein besonders hoch, wenn es im Gipsverband ruhig gestellt ist. Eine entsprechende Thrombosevorsorge ist deshalb heute Standard nach einem Knochenbruch.


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