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Krankheiten referenzindex «Bulimie - Ursachen»

Die Ursachen der Bulimie sind noch nicht endgültig geklärt. Es scheint sich aber um eine Kombination von psychischen, sozialen und neurologischen Faktoren zu handeln. Insbesondere folgende Aspekte spielen bei der Ess-Brech-Sucht eine Rolle:

Körperschemastörungen: Der eigene Körper wird bei Bulimie trotz Normal- oder Untergewicht als zu dick empfunden. Es fällt den betroffenen jungen Frauen schwer, eine positive, weibliche Identität zu entwickeln. Das heißt, sie fühlen sich in der Rolle als Frau nicht wirklich wohl und akzeptieren ihren Körper nicht so, wie er ist. Die eigenen Körpersignale (hungrig und satt) werden nicht mehr wahrgenommen.

Gestörte Entwicklung der Identität, Mangel an Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit: Die eigene Persönlichkeit wird bei Personen mit Bulimie oft als gespalten erlebt zwischen den Extremen "wie ich sein will" auf der einen, "wie ich bin" auf der anderen Seite. Der Konflikt zwischen perfektionistischem Anspruch und Versagensängsten und -gefühlen führt zu großen Spannungszuständen. Diese bauen Ess-Brech-Süchtige ab, indem sie zwanghaft essen und sich dabei gleichzeitig wieder als minderwertig und eklig empfinden.

Familiäre Verhaltensmuster: Im Allgemeinen begünstigen bestimmte Familienverhältnisse Bulimie. In den Herkunftsfamilien steht häufig der Leistungsgedanke im Vordergrund, während gleichzeitig Gefühle übermäßig kontrolliert werden. Konflikte werden oft nicht offen ausgetragen, den Kindern zu wenig Unterstützung zur Bewältigung von Problemen angeboten. Manchmal scheint eine Rolle zu spielen, dass in den Familien nicht bedürfnisorientiert gegessen wird, sondern um abzulenken, zu belohnen, zu entspannen oder traditionell nur zu ganz festgelegten Zeiten. Gefährdet sind auch Menschen, in deren Familien Suchtverhalten schon vorher eine Rolle gespielt hatte.

Kulturelle Einflüsse: Kaum einlösbare Vorstellungen von perfekter Gesundheit und ein übertriebenes Schlankheitsideal sind zentrale Themen in der westlichen Gesellschaft und spielen bei der Entstehung von Bulimie eine Rolle.

Neurologische Störungen: Hier sind vor allem die das Sättigungsgefühl beeinflussenden Störungen (Störungen der Serotonin-vermittelten Signalübertragung im Gehirn) zu nennen. Bemerkenswert ist, dass die Nahrungsaufnahme im Gehirn von ähnlichen Zentren wie die sexuelle Aktivität und die Menstruation reguliert wird.

Genetik: Zusätzlich scheint es bei Bulimie eine erblich bedingte Komponente zu geben. Darauf weisen Familien- und Zwillingsstudien hin. Die American Psychiatric Association berichtet, dass die genetischen Faktoren der Essstörungen denen von Angsterkrankungen und Depressionen ähneln.

Oft beginnt die Ess-Brech-Sucht mit einer Ernährungsumstellung, die isoliert betrachtet Sinn macht. So wird manchmal leicht übergewichtigen jungen Frauen von der Familie oder Ärzten eine Diät empfohlen. Missglücken aber eine oder mehrere Diäten und wird Essen zusätzlich auch als Spannungs- und Problemabbau erlebt, ergibt sich schnell ein Teufelskreis von Hungern, Essanfällen und Erbrechen.

Die Bulimie ist als Krankheit mit der Magersucht (Anorexie) verwandt.


Kommentar «Bulimie - Ursachen»