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Krankheiten referenzindex «Chronische Rückenschmerzen - Therapie»

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Das Schmerzteam

Menschen mit chronischen Rückenschmerzen werden am besten von Spezialisten in einem Schmerzzentrum betreut. In der Regel behandeln Therapeuten unterschiedlicher Fachgebiete den Patienten. Experten nennen dies "multimodales Therapiekonzept".

Zu dem Behandlungsteam bei chronischen Rückenschmerzen gehören beispielsweise Ärzte (wie Neurologen, Anästhesisten), Psychologen, Physiotherapeuten oder Verhaltenstherapeuten. Welche Therapiemaßnahmen durchgeführt werden, legt dieses Team gemeinsam mit dem Patienten in einem Behandlungsplan fest.

In Bewegung kommen

Entscheidend ist, dass der Patient nicht passiv wartet, dass man ihm hilft, sondern aktiv in Bewegung kommt. Totale Schonung, die sich viele Patienten aus Angst vor größeren Schmerzen verordnen, verschlimmert die Lage nur. Durch die Bewegungsarmut schwindet weitere wertvolle Muskelmasse, und der Rücken wird immer schwächer. Wer sich bewegt, verbessert Laune und Lebensqualität und hält den Schmerz besser in Schach.

Frühzeitig behandeln

Je länger chronische Rückenschmerzen andauern, desto schwieriger ist die Therapie. Daher ist eine frühzeitige Behandlung hier besonders wichtig. Schmerztherapeuten empfehlen einigen Patienten einen stationären Aufenthalt in einer Schmerzklinik. Anschließend kann die Behandlung ambulant weitergeführt werden.

Menschen, für die eine solche multimodale Therapie besonders geeignet ist, sind:

  • Patienten mit Dauerschmerz ohne nennenswerten Intensitätswechsel
  • Patienten mit mehr als drei Krankenhausaufenthalten wegen der beklagten Schmerzen
  • Patienten mit mehr als zwei Rehabilitationsmaßnahmen, beispielsweise bei einem Failed-back-surgery-Syndrom

Mehr Lebensqualität

Im Gegensatz zu den akuten Rückenschmerzen ist das Behandlungsziel bei chronischen Schmerzpatienten oft nicht die absolute Schmerzfreiheit. Vielmehr steht ein möglichst optimales Schmerzmanagement im Vordergrund. Es soll vor allem die Lebensqualität des Patienten erhöhen.

Therapiebausteine

Mit folgenden Therapiebausteinen können chronische Rückenschmerzen behandelt werden. Zwar lässt sich die Wirksamkeit nicht für jede Methode wissenschaftlich nachweisen, dennoch können auch diese gegebenenfalls helfen:

THERAPIEBESCHREIBUNG
Orale Schmerztherapie

Einnahme von Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Lokale Schmerztherapie:
• Lokalanästhesie

Injektion eines Betäubungsmittels direkt am Schmerzort.

• Nervenblockade (Sympathikusblockade)

Injektion eines Betäubungsmittels in das Nervengeflecht des sympathischen Nervensystems. Das hemmt die Schmerzweiterleitung. Wird in besonderen Fällen bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) oder Schmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen durchgeführt.

• Periduralanästhesie (PDA)

Injektion eines Betäubungsmittels in den Periduralraum (= Epiduralraum) zwischen der harten Rückenmarkshaut und den Wirbelknochen, um die aus dem Rückenmark austretenden Nerven zu betäuben. Das schaltet Schmerzen in den Beinen, im Bauchraum oder Brustkorb aus. Wird z.B. bei Ischialgie angewendet.

• Schmerzkatheter

Über einen dünnen Schlauch werden Betäubungs- und Schmerzmittel (manchmal auch entzündungshemmende Mittel) in den Epiduralraum injiziert (hier verlaufen die Wurzeln der Spinalnerven, über die Schmerzreize weitergeleitet werden). Teilweise kommt auch der umstrittene Racz-Katheter zum Einsatz.

• Schmerzpumpe

Ein kleines Gerät, das unter die Haut implantiert wird, und über einen dünnen Schlauch kontinuierlich Schmerzmittel ans Rückenmark abgibt. Wird z.B. bei chronischen Tumorschmerzen eingesetzt. Der Patient kann die Dosis zuhause selbst bestimmen, nachdem er im Krankenhaus eingestellt wurde.

"Alternative" Verfahren:
• Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Behandlung von Schmerzen mit Reizstromimpulsen unterschiedlicher Frequenz. Wird z.B. bei Schmerzen nach Unfällen, Trigeminusneuralgie, Ischialgie, Gürtelrose, Durchblutungsstörungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates (wie rheumatischen Erkrankungen, Verschleiß) angewendet.

• Akupunktur

Das Setzen von Akupunkturnadeln an bestimmten Körperstellen soll gestörte Energieflüsse beseitigen. Wird z.B. bei Rückenschmerzen, Kniebeschwerden, Kopfschmerzen (wie Migräne) angewendet.

• Biofeedback

Der Patient lernt dabei, Körperfunktionen wie Herzschlag, Durchblutung und Muskelaktivität gezielt zu beeinflussen.

• Autogenes Training

Eine Form von Selbsthypnose, bei der sich der Patient in tiefe Entspannung versetzt.

• Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

Nacheinander werden verschiedene Muskelpartien gezielt angespannt und wieder entspannt.

• Yoga

Indische Philosophie mit verschiedenen Atem- und Meditationsübungen (Asanas).

• Tai-Chi

Aus China stammende Bewegungskunst, die die Erhöhung der Lebensenergie zum Ziel hat. Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

• Imagination

In verschiedenen Übungen stellt sich der Patient angenehme Bilder aus der Erinnerung oder Fantasie vor. Das soll von Schmerzen ablenken und die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen. Imagination dient oft als Ergänzung zu anderen Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelentspannung.

Psychologische Verfahren:
• SchmerzbewältigungVerschiedene Verfahren sollen dem Patienten helfen, die Schmerzen besser zu verarbeiten (z.B. Biofeedback, Training zum Umgang mit Schmerzattacken, Entspannungstechniken).

• HypnoseTrancezustand, in dem das Bewusstsein fast völlig ausgeschaltet ist. In diesem Zustand lassen sich eine tiefe Entspannung erzielen und das Schmerzempfinden beeinflussen.

• Verhaltenstherapie

Der Patient lernt, seine Schmerzen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und neu zu bewerten. Zugleich soll der tägliche Umgang mit chronischen Beschwerden verbessert werden.

Krankengymnastische Übungen (Physiotherapie)

Gezielte, individuelle Bewegungsübungen unter Anleitung eines Therapeuten nach oder gleichzeitig mit einer medikamentösen Schmerztherapie.

Ergotherapie

Beschäftigungs- und Arbeitstherapie mit dem Ziel, die Handlungsfähigkeit und Lebensqualität von Patienten zu verbessern.

Manuelle Medizin (Chirotherapie)

Mit speziellen Handgriff-Techniken werden reversible Funktionsstörungen am Haltungs- und Bewegungsapparat diagnostiziert und behandelt. Teilgebiet der Physiotherapie.

Physikalische Therapie

Behandlung von Beschwerden mit physikalischen Mitteln wie Druck, Wärme, Kälte oder Strom. Zur Physikalischen Therapie zählen z.B. Massagen, Wasseranwendungen und Elektrotherapie (wie TENS). Teilgebiet der Physiotherapie.

Neurochirurgie

Als allerletzte Maßnahme bei chronischen Schmerzen, die nicht konservativ behandelbar sind. Es wird dabei z.B. die Schmerzbahn zwischen Rückenmark und Thalamus durchtrennt (Chordotomie).


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