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Krankheiten referenzindex «Diabetes mellitus Typ 2 - Therapie»

Behandlungsziele

Die Ziele bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes sind:

  • akute Komplikationen vermeiden
  • die Lebenserwartung und Lebensqualität verbessern

Voraussetzung dafür ist, dass der Blutzuckerspiegel so gut wie möglich im Normalbereich gehalten wird und weitgehend einem natürlichen Verlauf folgt (keine Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten).

Der Zielbereich für den HbA1c-Wert wird individuell festgelegt. Entscheidend ist beispielsweise, ob der Diabetes bereits Schäden an den größeren Blutgefäßen (Makroangiopathie) oder den Nieren (diabetische Nephropathie) verursacht hat. Bei älteren Diabetikern richtet sich der angestrebte HbA1c-Wert unter anderem nach dem Wohlbefinden, Alter, der Lebenserwartung und den primären Therapiezielen des Patienten richten. Im Allgemeinen gelten folgende Zielbereiche:

HbA1c-Zielbereich
allgemein6,5 - 7,5 % (48-58 mmol/mol)
bei vorgeschädigten Blutgefäßen7,0 - 7,5 % (53-58 mmol/mol)
bei diabetischer Nephropathie*< 7,0 % (< 53 mmol/mol)
bei älteren Patienten< 8,0 % (< 64 mmol/mol)

* wenn keine klinisch relevanten Schäden an den größeren Gefäßen (Makroangiopathie) oder eine Wahrnehmungsstörung aufgrund von Unterzuckerung (Hypoglykämie) vorliegen.

Der Blutzucker sollte nüchtern und vor dem Essen zwischen 80 bis 120 mg/dl liegen.

Neben dem Diabetes sollen auch Begleitkrankheiten wie Fettstoffwechsel-Störungen, Bluthochdruck und Übergewicht sowie psychosoziale Probleme behandelt werden. Dabei werden folgende Therapieziele angestrebt:

  • Bei Diabetikern werden Blutdruckwerte von 130-139/80-85 mmHg empfohlen.
  • Der Zielblutdruck bei Diabetikern mit schwerer Nierenerkrankung (Stadium 4 und höher) ist unklar.
  • Das Gesamt-Cholesterin sollte unter 180 mg/dl liegen, LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl, HDL-Cholesterin über 45 mg/dl
  • Sie sollten nicht rauchen.

Angepasste Therapie

Der Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend. Dies ist auch der Grund, warum die Therapie im Verlauf der Erkrankung häufiger angepasst werden muss. Zu Beginn der Diabetes-Therapie wird immer versucht, mit Allgemeinmaßnahmen wie Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion auszukommen. Wenn dies nicht ausreicht, erhält der Patient zusätzlich Medikamente - orale Antidiabetika und wenn notwendig auch Insulin.

1. Was Sie selbst tun können

» Bewegung und Ernährung

Die wichtigsten Therapiebausteine bei Diabetes mellitus Typ 2 sind regelmäßige Bewegung und ein normales Körpergewicht. Dies verbessert die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin. Ob und wie viel Übergewicht jemand hat, verrät der Body-Mass-Index (BMI) - das Verhältnis von Körpergewicht (kg) zur Körpergröße im Quadrat (m2). Der BMI-Rechner erleichtert die Ermittlung des individuellen BMI.

»Diabetiker-Schulung

Einer der wichtigsten Therapie-Bausteine bei Diabetes mellitus Typ 2 ist die Diabetiker-Schulung. Hier erfahren die Patienten alles Notwendige über ihre Krankheit und wie sie sich behandeln lässt. Beispielsweise erhalten die Diabetiker konkrete Tipps für eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung im Alltag. Diabetiker-Schulungen werden von verschiedenen Organisationen angeboten, unter anderem von Diabetes-Fachkliniken, niedergelassenen Ärzten und Diabetes-Schwerpunktpraxen.

» Weitere Tipps

  • Seien Sie sich Ihrer Krankheit bewusst und lernen Sie, Anzeichen eines zu hohen und niedrigen Blutzuckers zu erkennen.
  • Lernen Sie, Ihren Blutzucker zu messen und tun Sie dies auch regelmäßig.
  • Gehen Sie zu den regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen und führen Sie einen Gesundheitspass Diabetes - dadurch ist eine Früherkennung von Folgeerkrankungen möglich.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig und treiben Sie Sport.
  • Suchen Sie regelmäßig Ihren Arzt auf. Er überprüft den Blutzuckerspiegel, den Blutfettgehalt und die Nierenwerte. Er wird sich auch Ihre Füße ansehen, Ihren Gesundheitspass kontrollieren, den Blutdruck messen und bei Bedarf weiterführende Untersuchungen wie eine Kontrolle beim Augenarzt oder Herzspezialisten veranlassen.
  • Denken Sie daran, dass die Behandlung von Diabetes nicht nur eine Behandlung von Blutzuckerwerten ist. Ebenso wichtig ist es, Übergewicht, erhöhten Blutdruck und erhöhte Blutfettewerte zu senken, um Folgeerkrankungen vorzubeugen.
  • Bei ersten Anzeichen von Folgeerkrankungen gilt es, frühzeitig Ihren Arzt aufzusuchen.
  • Und: Wenn Sie rauchen, geben Sie es auf!

2. Medikamente

Medikamente gegen die Zuckerkrankheit (Antidiabetika) werden verordnet, wenn die Allgemeinmaßnahmen nicht helfen - sprich: wenn der HbA1c-Wert nach drei bis sechs Monaten immer noch bei 6,5 Prozent oder höher liegt. Trotzdem sollte sich jeder Diabetiker auf jeden Fall vermehrt bewegen und auf sein Gewicht achten.

Bei den Diabetes-Medikamenten werden oral einzunehmende Medikamente (orale Antidiabetika) und Insulinspritzen unterschieden. Insulin ist die letzte Therapieoption, die erst zum Einsatz kommt, wenn sich der Blutzuckerspiegel trotz Allgemeinmaßnahmen und oraler Antidiabetika nicht ausreichend kontrollieren lässt.

» Orale Antidiabetika

Die Präparate arbeiten nach folgenden Wirkprinzipien:

WirkprinzipWirkstoffgruppe
Verbesserung der Empfindlichkeit der Körperzellen für das Insulin - damit braucht der Körper weniger von dem Hormon.Metformin, Insulin-Sensitizer
Steigerung der Insulinfreisetzung, solange die Bauchspeicheldrüse das Hormon noch produzieren kann.Sulfonylharnstoffe, Glinide, Inkretin-Mimetika
Zeitnahe körpereigene Insulinausschüttung zum Essen - so lassen sich sehr hohe Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten (postprandiale Hyperglykämie) vermeidenResorptionsverzögerer

    Die meisten Medikamente bei Diabetes mellitus Typ 2 greifen nur an einem dieser Punkte an. Deshalb kommt manchmal eine Kombination verschiedener Medikamente zum Einsatz.

    • Metformin und macht die Körperzellen für Insulin empfindlicher. Metformin ist vor allem für übergewichtige Patienten geeignet, bei denen ein Therapieversuch mit Gewichtsabnahme und Diät nicht zum Erreichen der HbA1c-Zielwerte geführt hat.
    • Insulin-Sensitizer (Glitazone) verbessern ebenfalls das Ansprechen auf Insulin. Seit 2011 ist in Deutschland nur noch der Wirkstoff Pioglitazon im Handel. Da Pioglitazon jedoch mit einem erhöhten Risiko für Blasenkrebs in Zusammenhang gebracht wird und zudem nicht belegt ist, dass Glitazone besser vor Diabetes-Spätfolgen schützen als andere Medikamente, raten die Arzneimittelbehörden von diesem Wirkstoff ab.
    • Sulfonylharnstoffe und Glinide fördern die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Sulfonylharnstoffe regen die Insulinausschüttung kontinuierlich an. Sie werden bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt, bei denen das HbA1C-Therapieziel trotz Ernährungs- und Bewegungstherapie nicht erreicht wird, und die Metformin nicht einnehmen dürfen. Die neue Wirkstoffgruppe der Glinide wirkt extrem kurz, nämlich nur für den Zeitraum der Mahlzeit. Diabetiker müssen sie deshalb nur einnehmen, wenn sie tatsächlich etwas essen. Sie können alternativ zu den Sulfonylharnstoffen eingesetzt werden.
    • Resorptionsverzögerer (Alpha-Glukosidasehemmer) verlangsamen die Aufnahme von Glukose über den Darm ins Blut. So steigt der Blutzuckerspiegel des Diabetikers nach einer Mahlzeit nicht so stark an. Daher sind sie besonders zur Behandlung eines zu hohen Blutzuckerspiegels nach dem Essen geeignet.
    • Seit 2007 sind die sogenannten Inkretin-Mimetika beziehungsweise DPP-4-Inhibitoren auf dem Markt. Vertreter wie Exenatide, Saxagliptin oder Sitagliptin erhöhen die Konzentration bestimmter Darmhormone (Inkretine), welche die Insulinfreisetzung regulieren. Sie sind nur in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten zugelassen.

    » Insulin

    Eine Insulintherapie ist bei Diabetes mellitus Typ 2 immer dann angezeigt, wenn durch diätetische Maßnahmen und orale Antidiabetika das individuelle Therapieziel nicht erreicht wird. Trotz Tabletten haben viele Typ-2-Diabetiker schon in einer frühen Phase der Erkrankung direkt nach einer Mahlzeit zu hohe Blutzuckerwerte (postprandiale Hyperglykämie). Dies ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose. Daher sollten Sie zusätzlich zu den Mahlzeiten entweder Normalinsulin oder schnell wirksame Insulinanaloga spritzen. Die Therapie imitiert die physiologische Insulinausschüttung des Stoffwechselgesunden.

    Liegt der Blutzuckerspiegel trotz Medikamente morgens dauerhaft zu hoch, wird zusätzlich zum Mahlzeiten-Insulin abends ein lang wirksames Basisinsulin gespritzt. Tagsüber ist in der Regel auch im weiteren Krankheitsverlauf kein Basis-Insulin nötig. Diese Insulintherapie kann aber nur von einem geschulten Diabetiker durchgeführt werden. Ist ein Typ-2-Diabetiker nicht bereit oder fähig, sich schulen zu lassen, wird die konventionelle Insulintherapie (CT) angewendet. Dabei wird täglich eine fixe Dosis an Mischinsulin gegeben. Ernährung und Aktivitäten richten sich nach dieser Insulindosis.


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