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Krankheiten referenzindex «Geschichte der Organtransplantation»

PhotoDiscExperimente ohne Glück

Schon im Mittelalter versuchten Ärzte, bei Menschen mit Verunstaltungen Haut zu transplantieren. Erfolgreich war das damals aber nicht. Im Jahr 1883 verpflanzten Mediziner Schilddrüsengewebe, um Menschen mit einer Schilddrüsenmangelerkrankung zu therapieren. Im frühen 20. Jahrhundert war die Organtransplantation schließlich als Therapiemöglichkeit anerkannt. Mediziner begannen mit der Erforschung der Nierentransplantation.

Tierorgane im Test

Ein erster Schritt war, Organe von Tieren auf Menschen zu übertragen. Dies glückte allerdings nicht, die Gründe dafür lagen damals noch im Dunkeln. Vorreiter bei der Aufklärung der Ursachen war der amerikanische Chirurg Alexis Carrel. Eine Gewebeverpflanzung innerhalb eines Individuums funktionierte, so stellte er bei seinen Versuchen fest. Der Transfer eines Organs zwischen zwei Individuen scheiterte dagegen - das Organ wurde abgestoßen. Diese Reaktion ließ sich zunächst nicht in den Griff kriegen, und die Organtransplantation wurde auf Eis gelegt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erforschten Wissenschaftler die Transplantation weiter. In den USA wurden Anfang der 50er Jahre eine Reihe menschlicher Nieren verpflanzt. Mensch und Transplantat überlebten die Transplantation aber nur wenige Tage.

Erste Erfolge

Im Jahr 1954 wurde in den USA die erste Niere bei eineiigen Zwillingen erfolgreich transplantiert. Die Gewebeeigenschaften haben hier die größtmögliche Ähnlichkeit. Der Mann mit der neuen Niere lebte noch achte Jahre nach der Transplantation und erlag dann einem Herzinfarkt.

1963 wurden die erste Leber und die erste Lunge erfolgreich transplantiert. Zwei Jahre später verpflanzen Mediziner die erste Bauchspeicheldrüse.

Weltweit Furore machte die erste Herztransplantation 1967, die der Herzchirurg Christiaan Barnard in Südafrika durchführte - der Patient überlebte 18 Tage.

Problem Abstoßung

Der britische Zoologe Sir Brian Medawar beschrieb in den 40er Jahren als erster die immunologischen Grundlagen der Abstoßung fremden Gewebes nach einer Transplantation. 1958 wurde das sogenannte HLA-System (Human Leukocyte Antigen-System) entdeckt.

Mit seiner Hilfe unterscheidet das Immunsystem anhand spezifischer, ererbter Merkmale zwischen fremdem und eigenem Gewebe. 1962 wurde erstmals Gewebe von Spender und Empfänger typisiert. Bis heute werden Organe nur zwischen Personen transplantiert, die eine möglichst ähnliche Gewebetypisierung aufweisen. So fällt die Abstoßungsreaktion nach der Operation deutlich geringer aus.

Medikamente bringen Durchbruch

Zunächst versuchten Transplantationsmediziner, die Abstoßungsreaktion nach einer Transplantation mittels radioaktiver Bestrahlung zu verhindern. Bei den ersten Versuchen starben jedoch viele Patienten, weil die Strahlung den gesamten Körper schädigte.

Erst in den 1960er-Jahren entwickelten amerikanische Wissenschaftler Arzneimittel zur spezifischen Unterdrückung der Immunabwehr (Immunsuppressiva). Davor wurden bei transplantierten Patienten Kortison und Azathioprin eingesetzt.

Gut ein Jahrzehnt später gelang Forschern der Durchbruch, weil sie  die immunsuppressive Wirkung eines Pilzes in Bodenproben aus Norwegen entdeckten. Ciclosporin, so der Name der wirksamen Substanz, kann die Abstoßung des transplantierten Organs wesentlich gezielter unterdrücken. Mit diesem Wirkstoff stiegen die Überlebensraten der Empfänger und die des Transplantats um durchschnittlich 20 Prozent. 1984 wurde ein weiterer wichtiger Wirkstoff (Tacrolimus) entdeckt, der die Abstoßungsreaktion wirkungsvoll unterdrückt.

Sammeln und verteilen

Eine weitere Strategie für verbesserte Transplantationen bestand darin, Spender und Empfänger mit möglichst ähnlichen Gewebeeigenschaften zu finden. So fällt die Abwehrreaktion von vornherein geringer aus. Zur Vermittlung passender Organspender und -empfänger wurden Organisationen gegründet, beispielsweise Eurotransplant in Holland. Zum Einzugsgebiet von Eurotransplant gehören Deutschland, Österreich, die Benelux-Länder, Kroatien und Slowenien.

Die Merkmale von Spendern und Empfängern werden dort gesammelt, um den bestmöglichen Empfänger für ein Organ zu finden. Da der Bedarf an Organen heute bei weitem die Zahl der Spenderorgane übersteigt, bestimmen noch andere Kriterien, welcher Patient Vorrang hat und wer warten muss. Wird für ein Organ kein passender Empfänger in der eigenen Datenbank gefunden, fragen die Koordinatoren bei anderen Datenbanken nach. Sogar mit Ländern in Übersee, beispielsweise den USA, werden manchmal Organe getauscht.

Die Technik der Transplantationen und Medikamente gegen die Abstoßungsreaktion sind im Laufe der Geschichte weit fortgeschritten. Das Hauptproblem heute: Der Organmangel und die fehlende Spendenbereitschaft in der Bevölkerung.


Kommentar «Geschichte der Organtransplantation»