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Krankheiten referenzindex «Innenansichten - Wie sich ADHS-Betroffene fühlen»

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Nebulöse Umwelt

Wie nehmen ADHS-Patienten sich selbst und ihre Umwelt wahr? "Wie durch einen Nebel", berichten viele, alles um sie herum sei "weit weg". Die Störung im Gehirn macht es ihnen unmöglich, Sinneswahrnehmungen zu filtern und zu koordinieren. Alle eingehenden Informationen erscheinen gleich wichtig. Bei ADHS lässt sich Unwichtiges nicht ausblenden, und neue Reize lenken immer wieder vom Wesentlichen ab. Es fällt den betroffenen extrem schwer, bei der Sache zu bleiben und sich länger auf ein Thema zu konzentrieren.

Infos von außen und innen

ADHS-Patienten gelingt die Konzentration in Zweier-Gesprächen besser, aber in größeren Gruppen strömen Reize aus vielen Richtungen auf sie ein. Manche erleben eine Gruppensituationen als unangenehme Reizüberflutung oder bekommen bestimmte Informationen gar nicht mit.

Auch Nachrichten aus dem eigenen Innenleben kommen bei ADHS-Betroffenen schlechter an. Sie nehmen ihre Gefühle nicht genau wahr und wissen selbst nicht so recht, was eigentlich los ist. Es gelingt ihnen nicht, ihre Bedürfnisse treffsicher zu formulieren, weshalb sie sich schlecht durchsetzen können.

Balanceakt Nähe - Distanz

Noch ein weiteres Phänomen fällt bei ADHS-Betroffenen auf - vor allem, wenn sie sich in der Gruppe bewegen. Die Balance zwischen Nähe und Distanz fällt ihnen außerordentlich schwer. Einerseits äußern sie ihre Zuneigung oft unvermittelt und übertrieben - sie werden dann leicht abgewiesen. Andererseits verhalten sich ADHS-Patienten wie kleine Provokateure und ecken an, ohne es zu wollen.

Ihr Mangel an Konzentrationsfähigkeit macht sie nicht gerade zu Siegern. Menschen mit ADHS können deutlich weniger Erfolge für sich verbuchen als Gesunde. Gleichzeitig hungern sie so sehr nach Bestätigung von anderen - emotional wie beruflich -, dass sie das Gefühl haben, nicht ausreichend beliebt zu sein. Bei Personen mit ADHS sinkt das Selbstbewusstsein und sie ziehen sich immer weiter zurück. In der Isolation erhalten sie aber noch weniger Zuneigung und Bestätigung - damit beginnt ein Teufelskreis.

Generelles Mobilmachen

Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl bei ADHS-Betroffenen muss aber nicht unbedingt in die Isolation führen, sondern kann auch in Angriffslust münden. Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" reagieren Menschen mit ADHS häufig übertrieben aggressiv. Jede Regel, jede Vorschrift wird als Verletzung des persönlichen Freiraums empfunden. ADHS-Kinder widersprechen hier schon ganz grundsätzlich.

Inneres unter Dampf

Bei ADHS existiert im Bewusstsein nur ein sehr schmales Zeitfenster, das heißt, Vereinbarungen von gestern sind Schall und Rauch. Menschen mit ADHS leben nur im Hier und Jetzt. Warten auf die Belohnung in zwei Wochen? Das ist kein Trost, die Belohnung muss sofort her!

Die inneren Getriebenheit macht ADHS-Betroffenen noch mehr zu schaffen als die äußere Unruhe (Hyperaktivität). Ständig fühlen sie sich unter Druck. Auch wenn in der Freizeit die Reize von außen nachlassen - es drängen sich unablässig Gedanken auf und verschwinden wieder. Erwachsene ADHS-Patienten beschreiben es so: "Ich kann mich nie so richtig entspannen.“


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