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Krankheiten referenzindex «Lärmschutz»

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Lärm ist subjektiv

Unangenehme laute Geräusche bezeichnet man umgangssprachlich als Lärm. Die Empfindlichkeitsschwelle, ab der Geräusche als störend empfunden werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Zusätzlich hängt das subjektive Gefühl einer Lärmbeeinträchtigung sehr von den Begleitumständen ab. Mütter nehmen beispielsweise die Misstöne, die ihre Geige lernenden Kinder dem Instrument abringen, vielleicht als Zeichen deren Eifers wahr. Die Nachbarn haben dafür möglicherweise jedoch weniger Verständnis.

Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) schützt nicht vor subjektivem Lärm, sondern nur vor objektiv messbarem Schall. Diese Verwaltungsvorschrift ist Teil des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Sie beschreibt die Hauptlärmquellen in Straßenverkehr, Flug- und Schienenverkehr sowie die maximale Lärmbelastung, die Industrie, Gewerbe und Baustellen verursachen dürfen.

Schall messen

Schall entsteht durch Schwingungen einer Schallquelle und breitet sich in der Luft, im Wasser und in festen Medien aus. Dabei kommt es zu Luftdruckschwankungen, die man als Schalldruck bezeichnet. Die Höhe des Schalldrucks, der sogenannte Schalldruckpegel, wird in Dezibel - kurz dB(A) - angegeben. Erhöht sich beispielsweise der Schalldruckpegel um 20 Dezibel, bedeutet das eine Verzehnfachung des Schalldrucks (exponentielle Skala).

Ein Maß für die jeweilige Geräuschsituation ist der sogenannte Mittelungspegel. Ein Wert von 65 dB(A) ergibt sich beispielsweise aus dem Lärm von 2.000 Autos, die in einer Stunde an einer bestimmten Stelle mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde vorbeifahren und einen Abstand von 25 Metern zueinander halten.

Grenzwerte

Auf bebauten oder unbebauten Flächen, in Industriegebieten, schützenswerten Altstädten oder in den Wohnräumen gelten unterschiedliche Schallgrenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

Die geltenden Grenzwerte für den Lärmschutz hängen auch von der Tageszeit ab: In Wohngebieten liegen die zulässigen Schalldruckpegel nachts deutlich unter den tagsüber erlaubten. Die Beurteilungszeiträume sind in der TA Lärm klar festgelegt: "tags" heißt 6.00 bis 22.00 Uhr, "nachts" ist von 22.00 bis 6.00 Uhr. So dürfen in reinen Wohngebieten am Tag 50 dB(A), nachts nur 35 dB(A) erreicht werden, in Kurgebieten sinkt der zulässige Tagespegel auf 45 dB(A).

Gesetzlicher Schutz

Verschiedene bundeseinheitliche Verordnungen sollen die Bürger vor krankmachendem Lärm schützen: Dazu gehören etwa eigene Lärmschutzverordnungen für Rasenmäher, Baumaschinen, den Verkehr sowie für Sportanlagen. Allerdings garantieren diese Verordnungen nicht immer einen ausreichenden Lärmschutz. Deshalb kann jeder, der sich belästigt fühlt, einen Sachverständigen für Akustik zu Hilfe rufen.

Mit dem Lärmschutz am Arbeitsplatz befasst sich die Arbeitsstättenverordnung "Schutz gegen Lärm". Für unterschiedliche Tätigkeiten sind auch hier Grenzwerte vorgeschrieben, um vor Lärmschwerhörigkeit zu schützen. Zusätzlich haben einzelne Berufsgenossenschaften Unfallverhütungsvorschriften (UVV) erlassen, die unter anderem vorschreiben, dass ab 80 dB(A) am Arbeitsplatz ein Gehörschutz zur Verfügung stehen muss. Solche Maßnahmen sind zum Wohl der Mitarbeiter gedacht, diese müssen sich allerdings auch daran halten.

Dem Lärm vorbeugen

Schallschutz sollte stets an der Quelle beginnen. Radios oder Fernseher müssen nicht immer in Maximallautstärke laufen. Zeigt die Ampel grün, müssen Motorradfahrer keinen Kavaliersstart mit quietschenden Reifen hinlegen. Staubsaugen geht auch bei geschlossenen Fenstern.

Vor allem kann man sich Geräte und Maschinen zulegen, die dank moderner Technologien weniger Lärm verursachen. Auch der Verkehrslärm sinkt nach und nach durch leisere Motoren und Schallschutzwände, die immer häufiger aufgestellt werden.

Veranstalter von Konzerten und Motorrennen müssen sich ebenfalls an den Lärmschutz halten. Nach der Verordnung DIN 15905-5 dürfen alle Veranstalter in Deutschland ihr Publikum beispielsweise nur mit einem Lautstärkepegel von 99 dB(A) pro 30 Minuten beschallen.

Der Spitzenschallpegel darf 135 dB nicht überschreiten. Diese Vorgaben werden in Stichproben überprüft. Traten Gehörschäden nach zu lauten Publikumsereignissen auf, wurden die Veranstalter schon häufiger zu Schadenersatzleistungen verurteilt.

Das Gehör schützen

Alle Maßnahmen, die den Schall schon an der Lärmquelle reduzieren, gehören zum aktiven Lärmschutz. Wer sich hingegen schallisolierende Fenster einbaut, der betreibt passiven Lärmschutz. Auch jede Form von Gehörschutz, die man am Körper trägt, ist passiver Lärmschutz. Dazu gehören:

Kapselgehörschutz

Diese kopfhörerähnlichen Hartplastikschalen umschließen beide Ohren von außen. Fluglotsen und Polizisten am Schießstand tragen sie. Einige Produkte haben eingebaute Lautsprecher; Mitteilungen über Funk sind so trotz Gehörschutz und Arbeitslärm verständlich.

Gehörschutzstöpsel

Es gibt sie in den verschiedensten Versionen, zur ein- oder mehrmaligen Anwendung. Wachskugeln muss man selbst vorformen, bevor man sie sich in den Gehörgang steckt. Die Stöpsel aus Silikon, weichem Kunststoff oder Schaumstoff sind schon vorgefertigt.

Individuell angefertigter Gehörschutz

Hörgeräte-Akustiker fertigen angepasste Gehörstöpsel nach einem Abdruck. Diese Maßohrstücke aus Acryl oder Silikon werden Otoplastiken genannt. Sie sind sehr langlebig, angenehm zu tragen und der Grad der Schalldämmung lässt sich vor der Fertigung je nach Wunsch festlegen.

Schallschutzanzüge

Der Schall erreicht das Innenohr nicht nur durch den Gehörgang. Durch den ganzen Körper und speziell durch die harten Knochen breitet er sich zum Schädel bis in die Hörschnecke aus. Zusätzlich schädigen extreme Lautstärken auch die inneren Organe: Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen.

Bei Dauerlärmpegeln über 130 dB(A) verhindert nur noch eine Schallisolierung von außen, dass der Schall im Körper weitergeleitet wird. Schallschutzanzüge bestehen aus speziellen Leder-Stoff-Kombinationen und werden zusätzlich zu einem Gehörschutz getragen.


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