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Krankheiten referenzindex «Muskelschmerzen (Myalgien)»

Muskelschmerzen (Myalgien)

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Jeder Mensch hat mehr als 650 Muskeln - unterschiedlich groß, unterschiedlich trainiert, mit unterschiedlicher Funktion. Im Prinzip können alle diese Muskeln schmerzen. Es gibt verschiedenste Ursachen, warum es in den Kraftpaketen zieht, bohrt, sticht. Die meisten - zum Beispiel Muskelkater, Zerrungen oder Krämpfe - sind harmlos und lassen sich gut selbst behandeln. Es gibt aber auch schwerwiegende Erkrankungen der Muskulatur und des Nervensystem, die Muskelschmerzen hervorrufen können. Insgesamt treten sie aber seltener auf.

Schmerzen und Verspannungen

Myalgie ist die medizinische Bezeichnung für Muskelschmerz. Der Begriff leitet sich von den griechischen Wörtern "myos" = Muskel und "algos" =Schmerz. Meist sind die Schmerzen nicht Ausdruck einer Muskelkrankheit (Myopathie), sondern Begleitbeschwerden bei anderen Erkrankungen.

Muskelschmerzen sind manchmal schwer zu differenzieren. Es können auch Gelenkerkrankungen oder Schäden an den Knochen, der Haut oder an den Nerven zugrunde liegen. Die Diagnose und Therapie der Grunderkrankungen gehören auf jeden Fall in die Hände von Fachleuten! Eine gründliche Untersuchung des Körpers, technische Untersuchungen oder Blutanalysen helfen beim Aufdecken der Schmerzursache.

Häufige Ursachen

Fibromyalgie: Muskelschmerzen am ganzen Körper können Ausdruck einer Fibromyalgie sein. Die Betroffenen leiden unter typischen Schmerzen an bestimmten Körperstellen (Tender Points), an denen Muskeln oder Sehnen ansetzen. Häufig kommen psychische oder psychosomatische Beschwerden dazu, beispielsweise Depressionen, Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme. Die Ursachen der Erkrankung sind unbekannt.

Myofasziales Schmerzsyndrom: Umschriebene Schmerzen rühren oft von einem myofaszialen Schmerzsyndrom her. Ein bestimmter Bereich der Muskulatur (Triggerpunkt) ist besonders druckempfindlich. Beim Betasten dieser Stelle wird der Schmerz fortgeleitet und der Muskel beginnt zu zucken. Dieses Schmerzsyndrom kann nach Überlastungen auftreten.

Gifte und Medikamente

Zu viel Alkohol schadet nicht nur der Leber, sondern auch den Muskeln. Ein Alkoholexzess kann Muskelschmerzen und Krämpfe verursachen und Beine oder Arme anschwellen lassen. Bei Menschen, die dauerhaft zu viel Alkohol trinken, kann die Muskelmasse abnehmen. Die Folgen sind Muskelschmerzen und Schwäche. Auch Menschen mit einer Heroinsucht können unter Muskelschmerzen leiden.

Einige Gifte wie Tetanustoxin oder Strychnin können ebenfalls Myalgien hervorrufen. Häufiger sind jedoch Medikamente der Auslöser. Einige Arzneimittel können zu einer Entzündung der Muskeln führen zum Beispiel Penicillin, Cimetidin oder Interferon-alpha. Andere können schmerzhafte Krämpfe auslösen - am häufigsten sind ACTH, Chinidin, Clofibrat, Danazol, Levodopa, Paraldehyd, Procainamid, Salbutamol und Tocainid.

Einige Menschen, die bestimmte Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte einnehmen (Statine), haben Muskelschmerzen und Schwächegefühle in körpernahen Muskeln (z.B. den Oberschenkeln). Meist verschwinden die Nebenwirkungen mit dem Absetzen der Statine.

Wirkstoff-Übersicht

Stoffe, die Entzündungen der Muskeln verursachen könnenStoffe, die die Muskeln auf andere Art schädigen könnenStoffe, die Muskeln und Nerven schädigen können
CimetidinACTHAmiodaron
D-PenicillaminCarbimazolColchizin
LevodopaClofibratL-Tryptophan
PenicillinCromoglicinsäureVincristin
SulfonamideCiclosporinHeroin
ZidovudinEnalapril
ProcainamidHMG-CoA Reduktase-Hemmer (Statine)
KokainMetoprolol
Minoxidil
Salbutamol
Ezetimib

Entzündungen

Entzündungen der Muskeln (inflammatorische Myalgien) sind oft sehr schmerzhaft. Viren (Coxsackie B, Echoviren), Bakterien (Staphylokokken, Borrelien) oder Parasiten (Trichinen) können eine Muskelentzündung auslösen. Es gibt aber auch Fälle, in denen Mediziner keine Keime in den Muskelsträngen finden.

Manche Entzündungen entstehen im Rahmen von Autoimmunerkrankungen (z.B. Dermatomyositis oder Polymyositis) oder rheumatischen Erkrankungen (z.B. Polymyalgia rheumatica oder Panarteriitis nodosa). Eine Gewebeprobe (Muskelbiopsie) kann Hinweise auf die Entzündungsursache geben.

Stoffwechselerkrankungen

Viel seltener entstehen Muskelschmerzen durch Stoffwechselstörungen. Diese  metabolischen Myalgien ähneln oft einem Muskelkater. Nach Belastung sind die Muskeln schwach und steif, in Ruhe verschwinden die Beschwerden. Jede Muskelanstrengung kann Schmerzen auslösen. Beispielsweise kann auch die Wange schmerzen, wenn man längere Zeit zähe Nahrungsmittel gekaut hat.

Stoffwechselbedingte Muskelschmerzen können durch eine Vielzahl von Ursachen entstehen. Eine davon ist ein Mangel des Muskelenzyms Myoadenolatdeaminase (MAD). Weitere Ursachen sind:

  • Erbliche Störungen des Zuckerstoffwechsels: McArdle-Syndrom (= Glykogenose Typ V) - diese Patienten leiden manchmal unter brettharten Muskeln; Glykogenose Typ VII (Morbus Tarui), Typ VIII, X, IX oder XI;
  • Vererbter Mangel des Fettstoffwechsel-Enzyms Carnitin-Palmitoyl-Transferase (CPT): die Schmerzen sind weniger stark als bei den anderen Stoffwechselkrankheiten, sie treten meist am Ende der Belastung auf.

Muskelkrankheiten

Degenerative Muskelerkrankungen: Dies sind Erbkrankheiten, bei denen die Muskeln immer schwächer werden und die Betroffenen Muskelgewebe verlieren. Schmerzen in den Muskeln können vorkommen bei:

  • Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) und Becker´sche Muskeldystrophie (BMD) (häufiger).
  • Fazioskapulohumerale Muskeldystrophie oder Gliedergürteldystrophien (seltener).

An einer DMD erkranken meist schon Kinder. Häufig treten die Schmerzen in den Waden auf. Zusätzlich haben die Kinder das Gefühl, dass ihre Muskeln ganz schwach sind, vor allem am Becken und an den Beinen.

Myotonien: Darunter werden Krankheiten zusammengefasst, bei denen die Muskeln nach Belastung langsamer als gewöhnlich erschlaffen. Bei bestimmten erblich bedingten Myotonien kann es dazu kommen, dass die Muskeln steif sind und schmerzen. Beispiele für solche Erbkrankheiten sind:

  • Myotonia congenita (Becker/Thomsen),
  • Paramyotonia congenita,
  • Myotone Dystrophie Typ 1 (Curschmann-Steinert-Erkrankung) oder
  • Proximale Myotonie Typ 2.

Störungen des Hormonhaushaltes

Auch Hormonveränderungen können Muskelschmerzen auslösen (Endokrine Myalgien). Ein Beispiel ist die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Der Hormonmangel schwächt die Muskeln und lässt sie schnell ermüden. Außerdem können Muskelkrämpfe auftreten. Schilddrüsenhormone in Tablettenform bessern die Beschwerden.

Nach einer Operation der Schilddrüse kann es zu schmerzhaften Muskelkrämpfen kommen, wenn die winzigen Nebenschilddrüsen mit entfernt wurden. Die Nebenschilddrüsen produzieren Hormone, die für den Kalziumstoffwechsel wichtig sind. Bei einem Kalziummangel verkrampft sich die Muskulatur. Mediziner sprechen von Hypoparathyreoidismus.

Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Diverse Krankheiten des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) können zu Schmerzen in den Muskeln führen.

  • Parkinson: Schmerzen in den Schultern oder in den Oberarmen können auf ein beginnendes Parkinson-Syndrom weisen. Allerdings sind Schmerzen als erstes Symptom eines Parkinson-Syndroms sehr selten.
  • Durchblutungsstörungen in bestimmten Hirnbereichen äußern sich manchmal durch einseitige Schmerzen, die der Patient schwer lokalisieren kann.
  • Multiple Sklerose: Ist das Rückenmark bei MS-Patientengeschädigt, kommt es neben den Schmerzen meist zu Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Störungen der Blasen- oder Darmentleerung.
  • Kinderlähmung/ALS: Patienten, die vor Jahren an einer Poliomyelitis erkrankt waren oder an einer Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) leiden, können äußerst selten ebenfalls Muskelschmerzen bekommen.

Erkrankungen des peripheren Nervensystems

Eine Entzündung der Nervenwurzeln und der Nerven (Guillain-Barré-Syndrom) oder Nervenschäden durch Gifte können Muskelschmerzen verursachen. Werden Nerven und Muskeln gleichzeitig geschädigt (Myoneuropathie), zum Beispiel durch eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis) oder Medikamente (z.B. das Gichtmittel Colchicin), kann es ebenfalls zu Myalgien kommen.

Fachlicher Beirat: Dr. Thomas Wieser, Facharzt für Neurologie in Wien und Schmerztherapeut


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