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Krankheiten referenzindex «Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)»

Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die akut oder chronisch verlaufen kann.

In den meisten Fällen entsteht die Pankreatitis durch eine Aktivierung von Pankreas-Enzymen innerhalb des Organs. Da es die Aufgabe dieser Enzyme ist, Eiweisse und Fette zu verdauen, beginnt eine Selbstverdauung des Organs. Diese Selbstverdauung führt zur Entzündung der Bauchspeicheldrüse. In schweren Fällen können Blutungen, ernste Gewebeschäden, Infektionen und Zysten entstehen. Eine entzündete Drüse kann dazu führen, dass Enzyme in den Blutstrom eintreten und so die Lungen, das Herz und die Nieren erreichen, wo weitere Schäden auftreten können.

Akute Pankreatitis

Diese Krankheit entsteht, wenn sich die Bauchspeicheldrüse plötzlich entzündet, sich dann aber wieder erholt. Einige Patienten leiden mehrmals an akuter Pankreatitis, können sich aber jedes Mal vollständig erholen. Eine akute Pankreatitis tritt plötzlich auf und kann eine ernste, lebensbedrohliche Krankheit sein, die zahlreiche Komplikationen hervorruft, normalerweise erholen sich Patienten aber von einer akuten Pankreatitis. Die Inzidenz beträgt etwa fünf bis zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

Sie kommt in zwei Verlaufsformen vor:

  1. ödematöse Pankreatitis: blander Verlauf mit Schwellung des Organs und geringen Nekrosen im Fettgewebe der Umgebung
  2. hämorrhagisch - nekrotisierende Pankreatitis: ausgedehnte Nekrosen und Blutungen im Pankreas und in die Umgebung; durch ihr fulminates Krankheitsbild oft auch als Pankreasapoplexie bezeichnet

Die morphologische Beurteilung des Pankreas, insbesondere die Differenzierung zwischen ödematöser und nekrotisierender Pankreatitis gelingt am besten mit der kontrastmittelverstärkten Computertomographie. Zur Einteilung des Schweregrades hat sich der Balthazar-Score bewährt (0 bis 10 Punkte).

Ursachen

Die akute Pankreatitis kann mehrere Ursachen haben. Am häufigsten sind Gallensteine, die sich in der Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm, die gleichzeitig auch die Mündung des Bauchspeicheldrüsengangs ist, vorübergehend oder länger festklemmen. (ca. 45% der akuten Pankreatitiden). Eine ebenfalls sehr gängige Ursache ist chronischer Alkoholmissbrauch (ca. 35%). Bei etwa 15% der Betroffenen lässt sich kein konkreter Auslöser feststellen, in diesen Fällen spricht man von idiopathischer Genese. Daneben kommen auch seltenere Ursachen vor wie:

  • Als Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Asparaginase, Azathioprin, Furosemid, Glukokortikoide, Antibiotika (Tetrazykline, Sulfamethoxazol, Trimethoprim), Antikonvulsiva (Valproat, Carbamazepin), Propofol und andere
  • Infektionen z. B. Mumps, Coxsackie-Virus, Hepatitis, HIV, Zytomegalie-Virus
  • Erhöhter Blutkalziumwert, z. B. bei Nebenschilddrüsenüberfunktion
  • Stark erhöhte Blutfette (Triglyzeride)
  • iatrogen nach ERCP
  • genetisch: Zystische Fibrose

Symptome

Eine akute Pankreatitis macht sich anfangs durch Schmerzen im (linken bis gesamten) Oberbauch (Epigastrium), die in den Brustkorb ausstrahlen, bemerkbar, die nach einigen Tagen verschwinden. Die Schmerzen sind oft sehr heftig und zum Teil auch anhaltend. Die Schmerzen können plötzlich und intensiv sein, oder als leichte Schmerzen beginnen und nach der Einnahme von Nahrung (durch die Stimulierung des Pankreas bei der Bildung von Pankreasenzymen zwecks Verdauung der Speise) schlimmer werden. Der Bauch kann geschwollen und sehr empfindlich sein. Charakterisch bei der körperlichen Untersuchung sind ein druckschmerzhaftes Abdomen und ein sog. Gummibauch, der durch Meteorismus und (mässige) Abwehrspannung bedingt ist. Ebenfalls kann es zu Schmerzen im unteren Bereich der Brustwirbelsäule kommen. Dieser Schmerz ist zunächst ähnlich einem leichten Hexenschuss, entwickelt sich aber in der Folge mehr zu einem „Durchstochenwerden“, vom Rücken her hin zum Bereich des Pankreaskopfes auf der Bauchseite.

Patienten mit einer akuten Pankreatitis sehen gewöhnlich sehr krank aus und fühlen sich auch so. Andere Symptome sind zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Fieber, erhöhter Puls. In schweren Fällen treten Gelbsucht (Ikterus) (bei Verlegung der Gallenwege), Bauchwassersucht (Aszites) (bei Verlegung des Pfortadersystems), Pleuraergüsse sowie Schock- und Sepsiszeichen hinzu.

Labordiagnostisch kann eine erhöhte Leukozytenzahl (Leukozytose) sowie ein Anstieg der Konzentration von Pankreasenzymen (z. B. Trypsin, Amylasen, Lipase) nachgewiesen werden. Auch die Calcium-, Magnesium-, Natrium-, Kalium-, Bikarbonat-, Zucker- oder Fettwerte im Blut können erhöht sein.

Ungefähr 20% der akuten Pankreatitis-Fälle sind ernst. Der Patient kann dehydrieren und einen niedrigen Blutdruck entwickeln. Manchmal kommt es zu Herz-, Lungen- oder Nierenversagen. In den schlimmsten Fällen führt eine akute Pankreatitis zu Blutungen, Schock und manchmal zum Tod.

Schweregrade

Nach der aktuellen Atlanta-Klassifikation wird die milde von der schweren akuten Pankreatitis unterschieden.

Eine veraltete Einteilung unterteilte eine ödematöse Form (Frühstadium), eine hämorrhagische Form mit lokalen oder generalisierten Blutungen und eine akute nekrotisierende Form.

In der ärztlichen Behandlung dient der so genannte Ranson Score (Am J Gastroenterol 1982;77:633) der Prognoseabschätzung bei akuter Pankreatitis:

Bei Aufnahme:nach 48 Stunden:
Alter > 55 Jahre1 PunktHämatokrit-Abfall > 10 %1 Punkt
Leukozyten > 16 000/mm31 PunktHarnstoff-Anstieg > 1,8 mmol/l (> 5 mg/dl)1 Punkt
LDH > 350 U/l1 PunktCalcium < 2 mmol/l1 Punkt
AST (GOT) > 250 U/l1 PunktPaO2 < 8 kPa (< 60 mm Hg)1 Punkt
Glukose > 10 mmol/l (> 200 mg/dl)1 PunktBasendefizit > 4 mEq/l1 Punkt
Flüssigkeitsbilanz > 6 l/48 h1 Punkt
Letalität der akuten Pankreatitis:Beurteilung:
0 - 2 Punkte:Letalität <5 %0 - 2 Punkte:milde Pankreatitis
3 - 4 Punkte:Letalität 15-20 %≥ 3 Punkte:schwere Pankreatitis
5 - 6 Punkte:Letalität 40 %
> 6 Punkte:Letalität >99 %

Therapie

Allgemein sollten die Patienten drei oder vier Tage keine Nahrung zu sich nehmen, damit die Stimulierung des Pankreas durch in das Duodenum gelangte Magensäure entfällt. Wichtig ist die Schmerztherapie, da eine Pankreatitis mit erheblichen Schmerzen verbunden ist. Ist die Pankreatitis durch einen eingeklemmten Gallenstein ausgelöst worden, muss dieser entfernt werden. Eventuelle Veränderungen der Blutwerte werden mit Infusionen ausgeglichen. Bei Anzeichen für eine Infektion werden Antibiotika verabreicht.

Sollten Komplikationen wie Infektionen, Zysten oder Blutungen auftreten, ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung von nekrotischem (abgestorbenes) Gewebe oder zur Entleerung von Zysten angezeigt.

Eine Attacke bei einer akuten Pankreatitis dauert gewöhnlich nur einige Tage. Ist die Ursache für eine Pankreatitis beseitigt, heilt diese meist aus. In ernsten Fällen einer akuten Pankreatitis muss der Patient für drei bis vier Wochen intravenös ernährt werden.

Chronische Pankreatitis

Ursachen

Eine chronische Pankreatitis hat viele Ursachen, aber 70 bis 80% sind auf chronischen Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Sie tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf und entwickelt sich häufig zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr. Eine chronische Pankreatitis kann sich auch aus einer akuten Entzündung entwickeln, wenn die Ursache nicht beseitigt wird oder der Ausführungsgang beschädigt ist.

Einige chronische Pankreatitiden sind erblich bedingt. Diese beruhen auf einer Abnormalität der vom Pankreas gebildeten Enzyme, welche das Gewebe schädigen. Andere Formen der Erkrankung haben ihre Ursachen in äusseren Faktoren wie z. B. dem Tabakrauchen.

Symptome

In den frühen Stadien einer Pankreatitis kann der Arzt häufig nicht entscheiden, ob es sich um eine akute oder eine chronische Form handelt. Die Symptome können die gleichen sein.

Eine chronische Pankreatitis verursacht häufig chronische Schmerzen. In einigen Fällen chronischer Pankreatitis lässt der Schmerz nach, wenn die Krankheit fortschreitet. Sie führt auch zu einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüsen-Aktivität, was zu Gewichtsverlust und Verdauungsstörungen führt. Die ungenügende Verdauung und Resorption führt zur Abgabe von Fett und Eiweiss über den Stuhl. Wenn die endokrinen Zellen (Langerhans-Inseln) im Pankreas geschädigt sind, kann sich ein Diabetes entwickeln.

Diagnose

Eine Diagnose der chronischen Pankreatitis ist schwierig, jedoch stehen einige hochentwickelte medizinische Techniken zu Verfügung. Pankreas-Funktions-Bluttests können helfen, zu entscheiden, ob die Bauchspeicheldrüse noch in der Lage ist, genug Verdauungsenzyme herzustellen. Sie habensich in der Praxis allerdings kaum durchgesetzt.

Abnormalitäten des Pankreas können auch durch Sonografie, ERCP und Computertomographie erkannt werden.

In fortgeschritteneren Stadien einer chronischen Pankreatitis, wenn Diabetes und fehlerhafte Resorption auftreten, kann der Arzt auch Blut, Urin und Stuhltests durchführen, um eine Diagnose zu stellen.

Therapie

Eine chronische Pankreatitis wird durch das Verschreiben von Schmerzmitteln und eine Nahrungsumstellung behandelt. Patienten können den Verlust von Fett und Eiweiss reduzieren, indem sie Medikamente einnehmen, die Pankreas-Enzyme enthalten. Dies wird eine verbesserte Ernährung und eine Gewichtszunahme zur Folge haben. Manchmal werden Insulin oder andere Medikamente verschrieben, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

In einigen Fällen von chronischer Pankreatitis wird ein chirurgischer Eingriff vorgenommen, um die Schmerzen zu lindern, indem ein vergrösserter undgestauter Pankreasgang entlastet wird.

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Letzte Aktualisierung: 14. November 2006


Kommentar «Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)»