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Krankheiten referenzindex «Parkinson - Was im Gehirn passiert»

Parkinson - Was im Gehirn passiertParkinson - Was im Gehirn passiert

psdesign1/Fotolia.com

Der Gang ist schlurfend, die Hände zittern und Stürze sind keine Seltenheit. Menschen mit Parkinson leiden unter vielen Symptomen. Auch wenn Ärzte die genaue Ursache der Krankheit noch nicht kennen, wissen sie sehr genau, welche Faktoren für die Krankheitszeichen verantwortlich sind. Neben strukturellen Veränderungen im Gehirn kommt es auch zu funktionellen Störungen bei der Signalübertragung durch bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter).

Zelltod mit Folgen

Bei Parkinsonpatienten sterben vor allem Zellen in der sogenannten schwarzen Substanz des Gehirns (Substantia nigra) ab. Dieser Bereich befindet sich im Mittelhirn und ist wegen des hohen Gehalts an Eisen und dem Pigment Melanin in den Zellen dunkel gefärbt. Von der schwarzen Substanz ziehen Nervenfasern, die den Neurotransmitter Dopamin herstellen, zum sogenannten Streifenkörper (Striatum). Auch diese Fasern gehen mit dem Zelltod zugrunde, sodass Dopamin nicht mehr in ausreichendem Maß für die Erregungsübertragung an den Nervenkontaktstellen (Synapsen) zur Verfügung steht.

Die Folge des Dopaminmangels ist, dass Bewegungsimpulse nur ungenügend weitergeleitet und die Muskeln nicht mehr richtig gesteuert werden können. Vor allem für die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) ist der Mangel an Dopamin verantwortlich.

Zudem gerät das empfindliche Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn außer Kontrolle. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die sogenannten modulatorischen Systeme.

Modulatorische Systeme

Die diffusen modulatorischen Systeme sind mehrere kleine Regionen im Hirnstamm mit relativ wenigen Nervenzellen, deren lange Fortsätze bis in die Hirnrinde sowie ins Rückenmark reichen. Sie sind wichtig für die Steuerung der Hirnfunktionen, indem sie zum Beispiel Aufmerksamkeit, Wachheit, Gedächtnis, motorische Kontrolle und Stimmung beeinflussen.

Die modulatorischen Systeme werden nach dem Botenstoff eingeteilt, den die betreffenden Nervenzellen ausschütten. Einigen von diesen Systemen kommt eine entscheidende Bedeutung bei der Parkinson-Krankheit zu:

  • Dopaminerges System (Botenstoff Dopamin)
  • Cholinerges System (Botenstoff Acetylcholin)
  • Glutamaterges System (Botenstoff Glutamat)

Ungleichgewicht der Botenstoffe

Der Dopaminmangel, der bei Parkinson entsteht, stört das normalerweise herrschende Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Neurotransmittern. Insbesondere die Balance zwischen dem dopaminergen und dem cholinergen System gerät in Schieflage:

Die Dopaminwirkung ist bei Parkinson nur schwach ausgeprägt, wodurch jene des Gegenspielers Acetylcholin umso stärker ins Gewicht fällt - vergleichbar mit den beiden Schalen einer Waage, von denen sich eine nach oben, die andere nach unten neigt.

Auch das glutamaterge System, das in enger Beziehung zum cholinergen System steht, ist betroffen: Wie beim Acetylcholin führt der Dopaminmangel auch bei Glutamat zu einem relativen Überschuss.

Die Dominanz von Acetylcholin und Glutamat bei Parkinson führt zu dem charakteristischen Zittern (Tremor), außerdem erhöht sie die Muskelspannung (Rigor).

Schleichender Verfall

Der Degenerationsprozess der dopaminhaltigen Zellen in der Substantia nigra beginnt in den meisten Fällen, ohne dass die Betroffenen oder ihre Angehörigen das bemerken. Erste Anzeichen wie das Zittern eines Armes, aber auch eine allgemeine Verlangsamung der Bewegungen, Ungeschicklichkeiten, depressive Verstimmungen oder eine Verkleinerung der Schrift zeigen sich erst, wenn schon etwa 80 Prozent der Dopamin-produzierenden Zellen in der Substantia nigra abgestorben sind. Das ist im Durchschnitt nach etwa sieben bis zwölf Jahren der Fall. Offenbar kann der Körper den zunehmenden Dopaminmangel über einen langen Zeitraum hinweg kompensieren.

Warum die dopaminhaltigen Nervenzellen absterben, ist bislang unklar. Experten diskutieren verschiedene mögliche Ursachen, zum Beispiel die vererbte Empfindlichkeit gegenüber einer Nervenschädigung, äußere (z.B. Umweltgifte) oder innere Faktoren (immunologische Prozesse, endogene Gifte).

Variante einer einzigen Krankheit?

Untersucht man das Gehirn von Parkinsonkranken nach ihrem Tod, sind im Bereich der schwarzen Substanz sogenannte Lewy-Körperchen zu finden. Dabei handelt es sich um kugelförmige Strukturen, die nach ihrem Entdecker Friedrich H. Lewy benannt wurden. Die Lewy-Körperchen kommen auch bei einer besonderen Demenzform (Lewy-Körperchen-Demenz) vor - unter anderem in Hirnstamm und Großhirnrinde. Bei Parkinson kommt es nach einiger Zeit ebenfalls zur Demenz. Daher vermuten Wissenschaftler, dass Parkinson und die Lewy-Body-Demenz nur die verschiedenen Varianten einer einzigen Krankheit sind.


Kommentar «Parkinson - Was im Gehirn passiert»