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Krankheiten referenzindex «Schwindel»

Photocase.de/rokit_deSchwindel (Vertigo) ist ein häufiges neurologisches Symptom und kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Wer unter Schwindel leidet, verliert die Körpersicherheit im Raum und hat mit Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen. Häufig ist Schwindel von Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Herzrasen und Kollaps begleitet. Es lassen sich verschiedene Formen von Schwindel unterscheiden.

Schwindel kann sowohl vorübergehend (episodisch) als auch andauernd auftreten. Etwa ein Viertel der Bevölkerung hat mindestens einmal im Leben einen Schwindelanfall, schätzen Experten. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar knapp 40 Prozent.

Wie Schwindel entsteht

Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) im Innenohr nimmt Dreh- und Linearbeschleunigungen wahr. Es ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und die räumliche Orientierung wichtig. Das Gleichgewichtsorgan besteht aus häutigen und knöchernen Elementen. Es ist aus einem komplizierten System von drei Bogengängen, zwei Vorhofsäcken und dem Ductus endolymphaticus aufgebaut. Alle Hohlräume sind mit Flüssigkeit gefüllt. Verändert der Mensch die Kopf- oder Körperlage, bewegt sich die Flüssigkeit in diesem System, was die Gleichgewichtssinneszellen registrieren. Sie übermitteln die Signale an den Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis), der sie an das Gehirn weiterleitet, wo sie verarbeitet werden.

Neben dem Gleichgewichtsorgan sind auch die Augen sowie Muskel- und Gelenkrezeptoren am Empfinden von Gleichgewicht beteiligt. Bekommt das Gehirn widersprüchliche Informationen von diesen Sinnesorganen, stellt sich Schwindel ein.

Mögliche Ursachen

Schwindel entsteht entweder durch eine Störung des Gleichgewichtssystems, eine ungewohnte Sinnesreizung wie bei der Reisekrankheit, durch andere Erkrankungen wie einen zu niedrigen Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen oder durch eine Funktionsstörung der Sinnesorgane. Darüber hinaus gibt es auch einen psychogen bedingten Schwindel.

Vestibulärer Schwindel

Erkrankungen des Gleichgewichtssystems werden als vestibulärer Schwindel bezeichnet. Sind Innenohr oder Gleichgewichtsnerv betroffen, spricht man von peripherem vestibulären Schwindel. Der zentrale vestibuläre Schwindel entsteht durch Erkrankungen des Hirnstamms, Kleinhirns oder Großhirns. Der vestibuläre Schwindel ist in den meisten Fällen ein Drehschwindel.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel: Der Großteil der Patienten leidet an diesem gutartigen Lagerungsschwindel. Hier befinden sich kleinste Kristalle oder Steinchen im flüssigkeitsgefüllten Gleichgewichtsorgan. Bei Änderung der Körperhaltung bewegen sie sich in den Bogengängen und reizen die dort befindlichen Sinneszellen, was den Schwindel auslöst.

Neuritis vestibularis: Diese Entzündung des Gleichgewichtsnervs ist die zweithäufigste Ursache des peripheren vestibulären Schwindels. Die Ursache der Entzündung ist unbekannt. Es kommt zu schwerem Krankheitsgefühl mit Drehschwindel. Die Symptome klingen langsam im Laufe von zwei bis vier Wochen ab.

Vestibulopathie: Vestibulopathien sind Erkrankungen des Innenohrs. Die Patienten klagen darüber, dass sie beim Gehen oder Laufen Scheinbewegungen der Umwelt empfinden, Straßenschilder nicht mehr lesen oder Gesichter entgegenkommender Menschen nicht mehr sicher erkennen können. Zudem kommt es zu einem (episodischen) Dreh- oder Schwankschwindel, der über Minuten oder Tage anhält. Ursache sind beispielsweise Medikamente (bestimmte Antibiotika wie Gentamycin), welche das Innenohr schädigen, oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Bei einem Teil der Betroffenen ist die Ursache unbekannt.

Vestibularisparoxysmie: Es kommt zu kurzen und häufigen Dreh- und Schwankschwindel-Attacken, die nur Sekunden bis Minuten andauern und zu Stand- und Gangunsicherheit führen. Die Attacken können durch bestimmte Kopfpositionen ausgelöst werden. Die Ursache ist unklar. Vermutet wird, dass es zu einer Art Kurzschluss zwischen zwei benachbarten Nervenfasern (Axonen) kommt.

Menière'sche Erkrankung: Bei der Menière'schen Erkrankung kommt es aus unbekannter Ursache immer wieder zu plötzlichem Drehschwindel, einseitigem Ohrensausen (Tinnitus) und einseitiger Hörminderung.

Basilaris-Migräne: Bei dieser speziellen Migräneform kommt es zu wiederholten Attacken mit Schwindel, Sehstörungen, Stand- und Gangstörungen sowie Kopfschmerz im Hinterkopfbereich.

Durchblutungsstörungen im Gehirn wie bei einem Schlaganfall oder TIA im Kleinhirnbereich verursachen neben Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen auch eine Störung der Bewegungsabläufe (Ataxie), Gefühlsstörungen, Schluckstörungen und Störung der Sprechmotorik (Dysarthrie).

Akustikusneurinom: Das Akustikusneurinom ist eine Geschwulst des Hör- und Gleichgewichtsnervs (achter Hirnnerv). Der Tumor ist gutartig und geht von den Schwann'schen Zellen aus, die den Nerv umhüllen.

Felsenbeinfraktur mit Labyrinthausfall: Bei einem schweren Unfall oder Sturz kommt es gegebenenfalls zu Schädelbrüchen. Ist auch das Felsenbein betroffen (Knochenabschnitt, der das Innenohr umgibt), kann das Innenohr beschädigt werden.

Vestibuläre Epilepsie: Bei der vestibulären Epilepsie kommt es zu Krampfanfällen mit Schwindel und schnellen, zuckenden Augenbewegungen (Nystagmus). Der Schwindel ist dabei oft das erste Symptom und geht dem eigentlichen Anfall voraus.

Kinetose (Reisekrankheit): Durch ungewohnte Bewegungen wie kurvenreiches Auto- oder Busfahren, Luftturbulenzen im Flugzeug sowie durch Wellengang auf See wird das Innenohr mit Reizen überflutet. Wenn man die Ursachen dieser Bewegungen nicht ständig mit den Augen verfolgt, kann das Gehirn diese Reize im Innenohr nicht zuordnen und registriert sie als Fehlermeldung. Das Ergebnis sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Nicht vestibulärer Schwindel

Der nicht-vestibuläre Schwindel entsteht nicht durch eine Funktionsstörung des Innenohrs und kann viele Ursachen haben. Herzkreislauferkrankungen wie zu niedriger Blutdruck (Hypotonie), Bluthochdruck (Hypertonie) oder Herzrhythmusstörungen lösen gegebenenfalls Schwindel aus. Aber auch Medikamente und Drogen oder Stoffwechselstörungen wie niedriger Blutzucker oder Hyperventilation können für Schwindelsymptome verantwortlich sein.

Somatoformer Schwindel: In vielen Fällen entsteht Schwindel ohne erkennbare körperliche Ursache. Die Betroffenen leiden unter einer Vielzahl von Beschwerden, von Schwindel über Luftnot bis Antriebslosigkeit, die ihr Berufs- und Alltagsleben beeinträchtigen und oft über Jahre bestehen. Meistens sind die Symptome Ausdruck psychischer Erkrankungen, zum Beispiel einer Angststörung oder einer Depression. Die Betroffenen fühlen sich jedoch seelisch gesund. Viele wandern von einem Facharzt zum nächsten und haben mehrere erfolglose Therapieversuche hinter sich.

Der phobische Schwankschwindel ist die häufigste somatoforme Schwindelstörung. In der Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen ist phobischer Schwankschwindel die häufigste Schwindelart. Die typischen Beschwerden sind Benommenheit, Schwankschwindel, Stand- und Gangunsicherheit sowie Fallangst. Die Anfälle treten in Situationen auf, die typische Auslöser von Panikattacken sind, zum Beispiel beim Überqueren von Brücken, Gehen auf Treppen oder in Gegenwart vieler Menschen.

Untersuchung

Der Schwindel ist eine Erkrankung, die in mehrere Fachgebiete fällt. Daher müssen Betroffene manchmal unterschiedliche Fachärzte (Hausarzt, HNO-Arzt, Internist, Neurologe) aufsuchen, bis die Schwindelursache eindeutig feststeht. Sinnvoll ist eine Untersuchung in der Schwindelambulanz. Hier erfolgen die meisten Untersuchungen vor Ort. Bei sehr starkem Schwindel ist manchmal eine Untersuchung im Krankenhaus unumgänglich.

Wichtig ist immer eine genaue Erfragung der Krankengeschichte (Anamnese). In dem meisten Fällen lässt sich dadurch bereits vermuten, um welche Art von Schwindel es sich handelt. Dann bestimmt der Arzt den Blutdruck und den Puls des Patienten. Ist der Puls unregelmäßig, wird ein EKG erstellt, um beispielsweise Herzrhythmusstörungen zu erkennen.

Es folgt eine neurologische Untersuchung. Dabei wird speziell das Gleichgewichtsorgan untersucht:

Nystagmus: Nystagmus ist eine unkontrollierbare, rhythmische Bewegung der Augen. Normalerweise dient sie dazu, das durch die Linse projizierte optische Bild konstant auf der Netzhaut zu halten, also Bewegungen auszugleichen. Bei Patienten mit Schwindel tritt diese Augenzuckung in Ruhe auf und kann mit einer speziellen Brille geprüft werden. Manchmal provoziert der Arzt den Nystagmus auch, zum Beispiel durch Drehen auf einem Drehstuhl.

Gleichgewichtsprüfung: Mit Hilfe der Gleichgewichtsprüfung können Ärzte testen, wie gut das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) funktioniert.

Koordinationsprüfung: Der Patient muss den Zeigefinger mit geschlossenen Augen zur Nase führen oder mit geschlossenen Augen und nach vorne gestreckten Armen stehen. Je nachdem wie diese erste Untersuchung ausfällt, folgen weitere Untersuchungen. Dazu zählen beispielsweise die Gehörprüfung (Audiometrie) oder eine Computertomografie (CT) beziehungsweise Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfs. Selten sind ein EEG (Elektro-Enzephalogramm) oder eine spezielle Ultraschall-Untersuchung (Doppler/Duplex-Sonografie) notwendig.


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