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Krankheiten referenzindex «Störung des Essverhaltens»

Appetitstörungen – sowohl eine Reduktion als auch eine Steigerung des Appetits – sind bei vielen Krankheiten weit verbreitet. Appetitstörung ist kein eigenes Krankheitsbild, es kommt vor bei hirnorganischen Störungen, gastroindestinalen Störungen, endokrinen und bei genetisch bedingten Störungen. Im Rahmen der Psychosomatischen Medizin spielen insbesondere folgende Störungen des Essverhaltens eine Rolle:
  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Bulimia nervosa („Ess-Brechsucht“)
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Binge Eating (Essattacken).

Anorexia nervosa

Von einer Anorexia nervosa spricht man, wenn ein selbst herbeigeführtes Untergewicht (Body-Maß-Index < 17,5 kg/m2 ) besteht. Die Erkrankung geht mit einem hohen Grad an Verleugnung einher. Fasten, selbstinduziertes Erbrechen, Laxanzien-Abusus, übertriebene körperliche Aktivität, der Gebrauch von Appetitzüglern oder Diäten sind Ursache der Gewichtsabnahme. Trotz Untergewicht besteht eine Furcht vor Gewichtszunahme bzw. eine häufige Beschäftigung mit dem Gewicht. Bei Frauen liegt eine Amenorrhoe von mindestens 3 Monaten vor. Eine restriktive, asketische Form wird von einer bulimischen Form mit Ess-Brechanfällen oder Laxanzien-Abusus unterschieden.

Bis zu 1 % der 15 bis 25-jährigen Mädchen (Risikopopulation) erkrankt. Die Krankheitsursachen sind multifakteriell mit psychischen, biologischen und sozialen Anteilen. Häufig spielen reale oder phantasierte Trennungen vom Elternhaus als Auslöser eine Rolle.

Klassifiziert werden Sie nach F 50.0 und als atypische Anorexia nervosa nach F 50.1. An Komorbiditäten liegen häufig Depression, Persönlichkeitsstörungen, Angsterkrankungen und Suchterkrankungen vor.

Folge der Anorexien sind somatische Erkrankungen wie Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen, Hormonstörungen. Chronische Folgen sind Osteoporose, Niereninsuffizienz und Erosion der Zähne.

Kern und Grundlage jeder Therapie ist eine längerfristige Psychotherapie, die bei einem BMI > 15 ambulant begonnen, bei ausbleibendem Erfolg aber spätestens nach 6 Monaten stationär indiziert werden sollte. Die stationäre Akutaufnahme ist unbedingt erforderlich bei BMI < 15 kg/m2 (plötzlichem Gewichtsverlust, ausgeprägter Elektrolytstörung, Infekten, kardialen oder metobolischen Komplikationen sowie direkter Suizidalität).

Die stationäre Psychotherapie besteht in: Essvertrag, Esstagebuch und symptomorientierte Essgruppen, psychodynamische Einzel- und Gruppentherapie, Familiengespräche, Familienstammbaumarbeit, körperorientierte Therapie, Gestaltungs-, Musikund Entspannungstherapien. Medikamentöse Therapie ist nur indiziert bei ausgeprägter Depression als Komorbidität. Bei schneller und intensiver psychotherapeutischer Intervention ist die Prognose günstig. Chronizität gibt es bei 10 % der Fälle.

Bulimia nervosa

Die Bulimia nervosa ist eine Essstörung, bei der es zu Heißhungeranfällen kommt, denen unabweisbare Essattacken mit Kontrollverlust folgen. Nach dem wahllosen Verschlingen großer Nahrungsmengen (oft mehrere Tausend Kilokalorien) werden vermeintlich gewichtsreduzierende Maßnahmen durchgeführt (in 95 % der Fälle Erbrechen, aber häufig auch Laxanzien-Abusus). Die Einstellung der Betroffenen zum eigenen Körper ist durch eine überwertige Sorge um die Figur und Gewicht gekennzeichnet, die manchmal zu Zwangsgedanken führt. Es besteht eine ständige Angst, dick zu werden und nicht dem in der Gesellschaft propagierten Schönheitsideal zu entsprechen.

Die Klassifikation in ICD-10 geschieht unter F 50.2 Bulimia nervosa oder F 50.3 atypische Bulimia nervosa. Ca. 3 bis 4 % der weiblichen Bevölkerung zwischen 15 und 35 Jahren sind in den technisch hoch entwickelten Ländern betroffen. Die Häufigkeitsgipfel der Erstmanifestation liegt um das 17. Lebensjahr. 20 % leiden gleichzeitig unter Persönlichkeitsstörungen.

Die Bulimia nervosa ist eine typische psychosomatische Erkrankung, in denen sich innerpsychische Konflikte wie Kampf zwischen Triebkontrolle und Triebdurchbruch, Selbstwertkonflikte und Ablösekonflikte mit der Herkunftsfamilie in Körpersymptomen äußern.

Häufige Folge der Bulimia nervosa sind:

  • Speicheldrüsenadenome
  • Zahnschmelzschäden
  • Akute Ösophagitis und Gastritis
  • Zyklusstörungen – Elektrolytstörung
  • Metabolische Alkalose (Störung im Säure- Basen-Haushalt).

In leichten Fällen ist eine ambulante Psychotherapie einzuleiten, die sowohl psychodynamische wie verhaltenstherapeutisch sein kann. Besonders die Bearbeitung intrapsychischer und interpersoneller Konflikte (Ablösungskonflikte vom Elternhaus) spielen eine große Rolle. Falls sich keine Besserung ergibt, ist unbedingt eine stationäre Psychotherapie anzuraten. Das gilt auch für solche Fälle, in denen der Tagesablauf der Betroffenen über viele Stunden durch einen ständigen Wechsel von Essanfällen und Erbrechen bestimmt wird. Auch bei Suizidalität und Persönlichkeitsstörung (Borderline- Störung), nicht unterbrechbarem Ess-Brechverhalten, festgefahrenen Situationen in Familie und Partnerschaft, schwerwiegenden Verlusterlebnissen und sozialer Isolierung ist eine stationäre Psychotherapie indiziert.

Adipositas

Von einer Adipositas spricht man bei einem BMI von > 30,0 kg/m2. Die Adipositas ist sehr weit verbreitet. Die hohe Prävalenz nimmt ständig zu. Die Adipositas per magna (BMI > 40 kg/m2, Grad 3, liegt zwischen 1 % bis 1,2 %.

Der Adipositas liegen genetische, soziokulturelle Faktoren und psychosoziale Faktoren zugrunde. Von einer psychogenen Adipositas spricht man, wenn negativ emotionale Zustände und Nahrungsaufnahme gekoppelt werden, das Essen im Dienste der Affektregulation steht und der Spannungsabfuhr und des Aufschubs disphorischer Gefühle dient. Die Adipositas kann auch Ausdruck einer generellen Impulsstörung sein.

Binge-Eating-Störung

Unter Binge-Eating-Störung, die in der ICD-10 als atypische Bulimia nervosa (F 50.3) klassifiziert wird, versteht man wiederholte Episoden von Fressanfällen, Aufnahme größerer Nahrungsmengen in einem abgrenzbaren Zeitraum, Gefühle des Kontrollverlustes über das Essen. Die Fressanfälle treten durchschnittlich an mindestens 2 Tagen in der Woche auf. Die Fressanfälle gehen nicht mit dem regelmäßigen Einsatz unangemessener, gegen-regulatorischer Maßnahmen einher und treten nicht ausschließlich im Verlauf einer Anorexia oder Bulimia nervosa auf.

Sowohl für die Adipositas wie auch für die Binge-Eating-Störung ist in erster Linie eine diätetische Maßnahme, Sport, Bewegungstherapie, Psychoedukation, manchmal auch chirurgische Maßnahmen erforderlich. Als Psychotherapie ist eine modifizierte Verhaltenstherapie Mittel der Wahl. Dabei stehen das Wiedererlernen eines gesunden Ernährungsverhaltens und die Restrukturierung des Einkaufens, Kochens und Verzehrens von Nahrungsmitteln im Vordergrund.


Kommentar «Störung des Essverhaltens»