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Krankheiten referenzindex «Vorhofrhythmusstörungen»

Das Herz besteht aus den Vorhöfen (Atrien) und den Kammern (Ventrikel). Die Erregung entsteht im Sinusknoten, läuft durch die Vorhöfe, wird nur durch einen bestimmten Punkt, den Atrioventrikular-Knoten (AV-Knoten) auf die Kammern übergeleitet und läuft dort auf bestimmten vorbestehenden Bahnen. Die im Folgenden aufgeführten Rhythmusstörungen haben ihren Ursprung in den Vorhöfen. Als Tachykardie wird eine Herzfrequenz schneller als 100 Schläge/Minute bezeichnet.

Welche Symptome können bei Vorhofrhythmusstörungen auftreten?

Allen Vorhoftachykardien ist als Symptom starkes Herzklopfen und Herzrasen in Brust oder Hals gemeinsam, das Palpitation genannt wird. Zusätzlich kommt es oft zu einer (unbemerkten) Polyurie, also einem vermehrten Ausscheiden von Urin. Da sich mit steigender Frequenz die Füllungsphase der Herzkammern mit Blut verkürzt, kann es zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Auftreten von Schwindel und Bewusstlosigkeit kommen, die als Synkope bezeichnet wird. Dies tritt insbesondere auch bei langsamen Rhythmusstörungen auf. Schließlich kann es bei Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, die den normalen Schlag des Vorhofes verhindern, zur Blutstauung mit Gerinnselbildung (Thrombus) im Vorhof und, wenn das Gerinnsel abgeht (Embolie), zum Schlaganfall (Insult) kommen. Bei unbehandelter Fortleitung der schnellen Herzrhythmusstörung in die Herzkammern über Tage bis Wochen kommt es zur Ausbildung einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz). Bei zusätzlichen Bahnen zwischen dem Vorhof und der Kammer kann es selten, wie beispielsweise beim WPW-Syndrom, zu einer schnellen Kammerfrequenz kommen, sodass das Herz nur noch zuckt und faktisch still steht (Kammerflimmern) sodass umgehend wiederbelebt werden muss.

Welche Arten von Vorhoftachykardien gibt es?

Es bestehen eine Vielzahl von Rhythmusstörungen, die z. T. auch für den Fachmann anhand eines EKGs nicht eindeutig zu unterscheiden sind. Klärung bringt die elektrophysiologische Untersuchung (EPU).

Die einfachste schnelle Herzschlagfolge (Tachykardie) ist die so genannte Sinustachykardie (Frequenzbereich 100- 180/Minute). Dabei kommt es zu schnellen Frequenzen, die natürlicherweise im Sinusknoten generiert werden, weil der Körper mehr Blut benötigt, wie z.B. bei körperlicher Anstrengung, Aufregung, Fieber oder Dehydratation (Austrocknung). Behandelt wird die Ursache der Tachykardie.

Wenn der Sinusknoten krank ist, kann er ohne Grund sehr schnell oder langsam schlagen, dies wird als kranker Sinusknoten (Sick- Sinus-Syndrom) bezeichnet oder bei Auftreten beider Störungen als Bradykardie-Tachykardie- Syndrom.

Die ektope oder multifokale atriale Tachykardie wird durch einen chaotischen Vorhofrhythmus mit wechselnder P-Wellen-Morphologie gekennzeichnet, die alle auf die Kammern übergeleitet werden. Sie kommt meist bei schweren Herzerkankungen vor (Frequenzbereich 100-160/Minute). Die AVKnoten- Tachykardie stammt nicht aus dem Sinusknoten, sondern aus dem AV-Knoten. Die P-Wellen liegen kurz vor, im oder nach dem QRS-Komplex. Der Rhythmus wird dann auch als hoher, mittlerer oder tiefer AV-Knoten- Rhythmus bezeichnet (Frequenzbereich 100-130/Minute).

Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie ist eine sehr häufige Form der plötzlich auftretenden Tachykardie, bei der die aus dem Sinusknoten stammende Erregung durch den Vorhof in den AV-Knoten läuft (Abb. 114, grauer Pfeil) und fälschlicherweise wieder aus dem AV-Knoten nicht nur in die Ventrikel, sondern auch in den Vorhof eindringt (Abb. 114, roter Pfeil) und ihn abermals erregt. Heutzutage weiß man, dass der AV-Knoten eigentlich aus mehreren, verschieden schnell leitenden Bahnen besteht, von denen eine die Rückleitung ermöglicht. Es entsteht ein „Kurzschluss“. Die Erkrankung tritt typischerweise in der Jugend auf und ist über die Jahre zunehmend. Beginn und Ende der Episoden sind abrupt (Schneller Frequenzbereich 180- 220/Minute).

Die Präexzitationssyndrome sind Erkrankungen, bei denen neben dem AV-Knoten zusätzliche Leitungen vom Vorhof in den Ventrikel existieren. Die Erkrankungen benutzen Eigennamen, die bekannteste ist das Wolff-Parkinson- White-Syndrom, kurz WPW. Auslöser dieser Reentry-Tachykardie ist die Erregungsüberleitung über die zusätzliche Bahn vom Ventrikel in den Vorhof (Abb. 115, roter Pfeil), die Erregung wird dann über den AVKnoten regelrecht vom Vorhof in den Ventrikel weitergeleitet, sodass auch hier ein „Kurzschluss“ entsteht. Typisch im EKG ist die kurze Zeit zwischen P-Welle und QRS-Komplex sowie die typische Verbreiterung desselben (durch die so genannte Delta-Welle).

Vorhofflattern tritt häufig auf. Es handelt sich um eine kreisende, nicht aufhörende „Makro- Erregung“ im Vorhof mit einem Frequenzbereich der Vorhöfe von 250 - 310/Minute. Man unterscheidet den Typ I mit typischen sägezahnförmigen Erregungen im Vorhof vom Typ II, der häufig in Vorhofflimmern übergeht. Zumeist wird nur jede zweite, dritte oder vierte Erregung auf die Kammern übertragen, man spricht von 2:1, 3:1 oder 4:1-Block. Die Fortleitung auf die Kammern ist also regelmäßig, der Puls dann auch. Wenn jeder Schlag übergeleitet wird, besteht Lebensgefahr. Dieser Rhythmusstörung kann man mit Medikamenten vorbeugen, als so genannte Rezidivprophylaxe. Tritt sie trotzdem auf, kann man sie oft mit einer Überstimulation oder einem gezielten Stromstoß (Kardioversion) in Kurznarkose beenden.

Beim Vorhofflimmern fehlen die P-Wellen vollständig, gelegentlich sieht man niedrige, chaotische Flimmerwellen. Ähnlich dem Vorhofflattern handelt es sich um auf Vorhofebe- ne kreisende „Mikro-Erregungen“. Die Überleitung auf die Kammern erfolgt unregelmäßig, der Puls ist chaotisch (absolute Arrhythmie) und verändert auch seine Stärke von Schlag zu Schlag. Je nach Häufigkeit des Auftretens wird es als permanent (ständig), intermittierend (zeitweilig auftretend) oder paroxysmal (anfallsartig) bezeichnet. Vorhofflimmern ist mit 700.000 Betroffenen in Deutschland sehr häufig, die Erkrankung nimmt mit dem Alter zu, beispielsweise besteht sie bei 15 Prozent der über 75jährigen. Ursachen sind meistens Herzerkrankungen wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung, Herzklappenfehler, Herzleistungsminderung oder auch ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen. 10 % der Fälle findet man keine zu Grunde liegende Erkrankung. Wichtig bei der Therapie ist die Herzfrequenzkontrolle, die Blutverdünnung zur Vorbeugung von Blutgerinnseln oder bei intermittierendem Auftreten die Rezidivprophylaxe, d.h. die Vorbeugung. Die Vorhoffrequenz ist schneller als 350/Minute, die Ventrikelfrequenzen betragen 100 - 180/Minute; sie können jedoch auch deutlich weniger als 50/Minute betragen, sodass ein Schrittmacher nötig wird.


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