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Krankheiten referenzindex «Wachkoma (apallisches Syndrom, Persistent Vegetative State; PVS)»

Wachkoma (apallisches Syndrom, Persistent Vegetative State; PVS)

Das Wachkoma (apallisches Syndrom) ist ein Zustand im Schattenreich zwischen Koma und Bewusstsein. Der Begriff "Wachkoma" wurde in den 1970er Jahren geprägt. Wie viele Menschen in Deutschland betroffen sind, ist unbekannt. Die Deutsche Wachkoma Gesellschaft schätzt, dass etwa 8.000 bis 12.000 Menschen in Deutschland im Wachkoma leben.

Aufgrund ihrer offenen Augen und ihrer Bewegungsfähigkeit erscheinen die Betroffenen trotz ihrer Bewusstlosigkeit wach. Der Blick jedoch ist entweder starr, oder irrt haltlos umher. Patienten im Wachkoma müssen zwar künstlich ernährt werden, sie können aber beispielsweise greifen, lächeln oder weinen. Bei diesen Bewegungen handelt es sich jedoch im echten Wachkoma um unbewusste Reflexe.

So weist die englische Bezeichnung "Persistent Vegetative State" (PVS) darauf hin, dass die Funktionen des vegetativen Nervensystems beispielsweise Atmung, Herzschlag und Schlafrhythmus noch funktionieren, während höhere kognitive Funktionen lahmgelegt sind.

Ursachen des Wachkomas

Grund für den Zustand des Wachkomas ist eine Schädigung des Großhirns, das die äußere Schicht des menschlichen Denkorgans bildet. Es umhüllt wie ein Mantel die tieferen Hirnstrukturen, weswegen man auch vom "apallischen Syndrom" spricht (Griechisch für "ohne Mantel"). Das Großhirn verarbeitet alle Sinneseindrücke: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Es speichert die Erinnerungen und ist der Sitz des Bewusstseins. Durch eine Verletzung, eine Erkrankung oder Sauerstoffmangel kann es fast vollständig ausfallen.

Ungewisse Prognose

Im Wachkoma können Patienten viele Jahre überleben. In einigen Fällen erholt sich das Gehirn, die Funktionen kommen nach und nach wieder, wenn auch meist nur teilweise. Welches Gehirn wieder aus dem Schattenreich zwischen Bewusstsein und Koma erwacht, lässt sich nach heutigem Wissensstand kaum vorhersagen.

Diagnose mit Hindernissen

Die Diagnose Wachkoma ist nicht einfach zu erstellen. Die Abgrenzung zum Minimalen Bewusstseinszustand oder zum Locked-In-Syndrom, kann schwierig sein. Denn die Tatsache, dass der Patient auf Aufforderungen wie "Schauen Sie mich an" oder "Drücken Sie meine Hand" nicht reagiert, sagt nicht unbedingt etwas über den Grad seiner Bewusstheit aus.

Eine wichtige Diagnosehilfe sind daher Verfahren, welche die elektrische Aktivität im Gehirn abbilden. Mithilfe der Positronenemissionstomografie (PET) lässt sich der Energieverbrauch des Gehirns feststellen. Die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) zeigt, ob und welche Hirnregionen sich durch Reize aktivieren lassen.

Die Grenzen zum Minimalen Bewusstseinszustand sind dabei fließend. So hat sich gezeigt, dass ein Teil der Wachkomapatienten durchaus noch sprachliche Äußerungen verarbeitet. Manche Experten fürchten, dass ein erheblicher Teil der sogenannten Wachkomapatienten fehldiagnostiziert sein könnte.

Denn selbst Hirnscans sind nicht 100-prozentig zuverlässig. So kann die Diagnose dadurch verfälscht werden, dass ein Patient mit Minimalem Bewusstseinszustand während der Untersuchung gerade in einer tiefere Bewusstlosigkeit steckt. In dem Fall werden bewusste Momente nicht erfasst. Experten fordern daher, Komapatienten mehrfach durch den Hirnscan zu schicken, bevor die Diagnose gestellt wird.

Therapie: Anreize fürs Gehirn

Neben einer intensiven Frührehabilitation durch Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden, fordern manche Komaforscher dauerhafte Therapiemaßnahmen, die dem Gehirn Sinnesreize anbieten. Ein Gehirn, das so angesprochen wird, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder seine Arbeit aufnehmen, so die Begründung. Das wäre allerdings ein sehr aufwändiges und damit teures Verfahren mit ungewissen Erfolgsaussichten, geben Kritiker zu bedenken.

Zumindest aber sollte per Hirnscan regelmäßig überprüft werden, ob sich der Zustand langjähriger Komapatienten vielleicht doch verbessert hat, auch wenn es dafür keine äußeren Anzeichen gibt.


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