Medikamente Online-Informationen
Medikamente und Krankheiten Referenzindex

Drugs and diseases reference index
Suche
DE


Medikamente A-Z

Krankheiten & Heilung List

Medizin-Lexikon

Vollständiger Artikel

Beliebte Medikamente

Popular Krankheiten & Heilung

Krankheiten referenzindex «Vorhofflimmern - Therapie»

Allgemein

Während des Vorhofflimmerns ändern sich die Fließeigenschaften des Blutes. Deshalb besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt. Deshalb ist es wichtig, das Vorhofflimmern mit Medikamenten zu behandeln, welche die Blutgerinnung hemmen.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie ist es, denn Herzschlag bei Patienten mit Vorhofflimmern wieder in einen normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) zu bringen (Kardioversion).

Bei länger bestehendem Vorhofflimmern verändert sich die Struktur des Herzens. Eine Rhythmisierung gelingt dann nicht mehr, und die Regulierung der Herzfrequenz steht im Vordergrund (Frequenzkontrolle).

Wissenschaftler sind sich einig, dass beide Therapieansätze, das heißt Rhythmisierung und Frequenzkontrolle, für die Behandlung des Vorhofflimmerns prognostisch gleichwertig sind. Daher sind die Beschwerden bei Vorhofflimmern ein entscheidendes Kriterium für die Therapiewahl. Auch die Art und Dauer des Vorhofflimmerns spielen für die Therapie eine wichtige Rolle.

Da durch das Vorhofflimmern das Risiko von Schlaganfällen erhöht ist, wird das Blut medikamentös verdünnt (zum Beispiel mit Phenprocoumon oder Acetylsalicylsäure). Man spricht von Dauer-Antikoagulation. Betroffene lernen, mit diesen Blutverdünnern (Antikoagulanzien) umzugehen (INR-Wert bestimmen, Dosis anpassen). Die Lebensqualität wird hierdurch nicht beeinträchtigt.

Kardioversion

In vielen Fällen kehrt ein neu aufgetretenes Vorhofflimmern innerhalb von 48 Stunden spontan wieder in den Sinusrhythmus zurück. Oft hilft auch ein Luftanhalten, das Trinken eines Schlucks kalten Wassers oder das Pressen in den Bauch hinein wie beim Stuhlgang, um das Vorhofflimmern zu beenden.

Bei länger anhaltendem, neu aufgetretenem Vorhofflimmern kann man eine medikamentöse oder elektrische Kardioversion versuchen. Zunächst führt der Arzt eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens durch die Speiseröhre (TEE) durch, um Blutgerinnsel auszuschließen, die sich im Vorhof bilden können. Nur so lässt sich der linke Vorhof ausreichend beurteilen. Sind keine Blutgerinnsel erkennbar, kann eine elektrische Kardioversion durchgeführt werden.

Ist eine TEE nicht möglich, erhält der Patient zunächst über drei Wochen eine blutverdünnende Therapie, damit sich mögliche Blutgerinnsel auflösen. In vielen Fällen injiziert der Arzt dem Patienten Heparin.

» Medikamentöse Kardioversion: Sie wird mit verschiedenen Medikamenten (sogenannten Antiarrhythmika) durchgeführt.

» Elektrische Kardioversion: Sie entspricht einem Elektroschock, der unter Kurznarkose im Krankenhaus durchgeführt wird.

Auch nach der Kardioversion müssen Patienten häufig Medikamente nehmen, um einem erneuten Vorhofflimmern vorzubeugen. Zwei Substanzklassen haben sich besonders bewährt:

Medikamente

Wirkung

Spezielle Beta-BlockerSotalol beugt Vorhofflimmern vor und kann auch bei der medikamentösen Kardioversion eingesetzt werden.

AmiodaronEin sehr wirksames Medikament gegen tachykarde Herzrhythmusstörungen (das Herz schlägt zu schnell). Es eignet sich vor allem zur Vorbeugung gegen erneutes Vorhofflimmern. Allerdings verursacht es auch Nebenwirkungen, vor allem Schilddrüsenüberfunktionen und Pigmentstörungen der Haut unter Sonneneinstrahlung.

Frequenzkontrolle

Beim bradykarden Vorhofflimmern ist der Herzschlag zu langsam. Zwischen den Herzschlägen können längere Pausen entstehen, sodass eventuell ein Herzschrittmacher eingepflanzt werden muss.

Beim schnellen (tachykarden) Vorhofflimmern versucht der Arzt, die Herzfrequenz durch eine medikamentöse Therapie auf 60 bis 80 Schläge pro Minute zu senken. Dazu kann er unter anderem folgende Medikamente einsetzen:

Medikament

Wirkung

Beta-BlockerSie verlangsamen den Herzschlag. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwindel, niedriger Blutdruck. Bei Asthmatikern kann es zu Asthma-Anfällen kommen.

Digitalis (Herzglykoside)Digitalis senkt die Herzschlagfrequenz und steigert die Pumpkraft des Herzens. Zum Einsatz kommt es vor allem bei Vorhofflimmern und Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

KalziumkanalblockerBestimmte Kalziumkanalblocker (Verapamil) senken ebenfalls die Herzfrequenz. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Absinken des Blutdrucks, Wasseransammlungen an den Beinen (Ödeme). Verapamil sollte nicht mit Beta-Blockern kombiniert werden.

Operative Eingriffe

In einigen Fällen von Vorhofflimmern ist eine Katheterablation sinnvoll. Über einen Herzkatheter werden Gewebestellen am Herzmuskel zerstört, die als Ursache für das Vorhofflimmern infrage kommen.

Solche Bereiche lassen sich auch chirurgisch entfernen. Durch die erfolgreiche Weiterentwicklung der Katheterablation ist die Rhythmus-Chirurgie jedoch in den Hintergrund getreten.

Manchmal ist bei Vorhofflimmern eine "Labyrinth-Chirurgie" (Maze-Chirurgie) hilfreich. Dabei werden viele kleine Einschnitte in den Vorhöfen gesetzt. Dieses Einschnitt-Labyrinth soll einen Weg für den elektrischen Impuls bahnen.

Selbst aktiv werden

Manche Menschen bekommen gelegentlich kurze Episoden von Vorhofflimmern. Häufig können sie diese selbst beenden. Hier ein paar Tipps für Sie:

  • Halten Sie kurz die Luft an.
  • Trinken Sie einige Schlucke kalten Wassers oder lutschen Sie Eis.
  • Pressen Sie wie beim Stuhlgang.
  • Stecken Sie den Finger in den Hals wie zum Erbrechen.

Diese Aktionen reizen einen bestimmten Nerv (Nervus vagus), was das Vorhofflimmern unterbricht.

Blutverdünnung

Für die Blutverdünnung bei Vorhofflimmern gelten folgende Empfpehlungen, die sich an dem  so genannten CHA2DS2-VASc-Score orientieren. Dieser Score ergibt sich aus verschiedenen Riskofaktoren. Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen und umso schwerwiegender diese sind, desto höher ist der Score.

ScoreRisiko*Thromboembolieprophylaxe
0
Niedrig

Keine oder ASS (75-325 mg/Tag)

1
Moderat

Orale Antikoagulanzien (Phenprocoumon, Warfarin): INR 2,0-3,0

oder Dabigatran

oder ASS (75-325 mg/Tag)

größer oder gleich 2
Hoch

Orale Antikoagulanzien (Phenprocoumon, Warfarin): INR 2,0-3,0

oder Dabigatran

* Als Risikofaktoren gelten Herzschwäche, eine eingeschränkte Auswurfleistung der linken Herzkammer, Bluthochdruck, Schlaganfall oder Diabetes mellitus in der Vorgeschichte.


Kommentar «Vorhofflimmern - Therapie»